Die Lage des Neulings im Abstiegskampf spitzt sich zu. Trainerin Inka Grings setzt sofort Zeichen, muss aber zusehen, wie ihre Mannschaft in Unterzahl chancenlos ist.

Inka Grings trifft keine Schuld daran, dass der SV Straelen immer tiefer in den Abstiegssumpf gerät. Die neue Trainerin des Regionalliga-Aufsteigers hat in ihrer ersten Woche an der Römerstraße all’ das getan, was in ihrer Macht stand: Zeichen gesetzt, die Mannschaft gut vorbereitet, an den taktischen Stellschrauben gedreht und gezielte Änderungen vorgenommen.

Punkt eins: Aram Abdelkarim saß gegen den SC Verl auf der Bank. Der Linksaußen hatte in den vergangenen Wochen stets unter seinen Möglichkeiten gespielt und hat ganz offenkundig Trainingsrückstand. Inka Grings hatte schon im Vorfeld angekündigt, dass die Zeit der Stammplatz-Garantien vorbei ist – es hat sich dabei nicht um leere Worte gehandelt.

Punkt zwei: Das 4-2-3-1-System, mit dem der SV Straelen schon die Oberliga-Meisterschaft perfekt gemacht hatte, ist nicht länger in Stein gemeißelt. Die Fußball-Lehrerin vertraute auf ein 4-4-2. Also auf ein breiter aufgestelltes Mittelfeld mit zwei Spitzen. Diese Rechnung hätte aufgehen können. In der ersten Halbzeit war der SV Straelen ein gleichwertiger Gegner und ging mit einem leistungsgerechten 0:0 in die Kabine.

Dass am Ende nicht zumindest ein Teilerfolg heraussprang, hat Ursachen, auf die Deutschlands erste Trainerin in der Vierten Liga keinen Einfluss hatte. Die entscheidende Szene ereignete sich unmittelbar vor dem Pausenpfiff. Kai Schwertfeger, Neuzugang vom Drittligisten KFC Uerdingen, hatte in der 35. Minute zunächst lautstark eine Entscheidung von Schiedsrichter Marc Jäger moniert, der daraufhin die Gelbe Karte zückte. Zehn Minuten später holzte Schwertfeger am Mittelkreis einen Verler Kontrahenten um und durfte sich deshalb nicht darüber wundern, dass die Partie wegen einer Gelb-Roten Karte für ihn vorzeitig beendet war.

In Unterzahl war in der zweiten Hälfte vor gut 500 Zuschauern für die Grün-Gelben gegen einen erfahrenen und ballsicheren Gegner wie den SC Verl nichts mehr zu machen. Der Regionalliga-Dauergast aus Ostwestfalen, den trotz der weiten Anreise beachtlich viele Fans an den Niederrhein begleitet hatten, benötigte nach dem Seitenwechsel gerade einmal zehn Minuten, um für klare Verhältnisse zu sorgen. In der 50. Minute drückte Julian Stöckner den Ball im Anschluss an eine Ecke humorlos ins Straelener Tor. Weitere fünf Minuten später zeigte Schiri Jäger auf den Elfmeterpunkt, nachdem Yodan Kim einen Verler Angreifer auf der Strafraumlinie ins Straucheln gebracht hatte. Torhüter Keisuke Ishibashi wehrte den ersten Versuch von Aygün Yildirim noch ab, doch im Nachsetzen erhöhte Verls neuer Torjäger (siebter Treffer im siebten Spiel) auf 2:0.

Damit war die Partie vorzeitig entschieden. Denn: Die Offensive des SV Straelen bringt für die Regionalliga nicht die nötige Qualität mit. Torjäger Shun Terada, der im neuen Jahr noch nicht getroffen hat, musste am Samstag wegen einer Risswunde am Fuß passen. Sein Vertreter Randy Grens hatte zwar die eine oder andere gute Szene und war körperlich präsent. Doch der Niederländer stößt in dieser Liga an seine Grenzen. Und Angreifer Nummer zwei ? Für den kleinen Dribbelkünstler Meguru Odagaki hat jeder halbwegs erfahrene Regionalliga-Verteidiger nur ein müdes Lächeln übrig.

Inka Grings reagierte auf ihrer ersten Pressekonferenz im Clubheim an der Römerstraße ganz gelassen. Ihre wichtigste Botschaft: „Wir sind heute noch nicht abgestiegen.“

Quelle: RP