Der SV Straelen erreicht ein verdientes 0:0 beim SV Lippstadt, bleibt aber mitten im Abstiegskampf. Ab dieser Woche soll Deutschlands erfolgreichste Torjägerin aller Zeiten die Mannschaft zum Klassenerhalt führen.

Die offizielle Bestätigung steht zwar noch aus. Doch inzwischen ist sicher, dass eine Frau den SV Straelen vor dem Abstieg aus der Regionalliga bewahren soll.

Und zwar nicht irgendeine. Inka Grings, mit Abstand erfolgreichste Torjägerin in der Geschichte des deutschen Frauenfußballs, wird in dieser Woche das sportliche Kommando an der Römerstraße übernehmen (wir berichteten).

Die 40-jährige Fußball-Lehrerin, die in der Vergangenheit mehrfach betont hat, irgendwann einmal eine Mannschaft in der Männer-Bundesliga trainieren zu wollen, macht somit in Straelen den ersten Schritt in diese Richtung.

Der Kontakt zu Inka Grings, die bislang den Frauen-Bundesligisten MSV Duisburg und den Nachwuchs von Viktoria Köln in der B-Junioren-Bundesliga trainiert hat, besteht schon seit längerer Zeit. Unter anderen ist Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg fest davon überzeugt, dass sich ihre langjährige Weggefährtin im Haifischbecken Männerfußball behaupten kann. Nachdem sich der Verein am Donnerstag nach der 0:1-Niederlage beim Tabellenletzten TV Herkenrath von Trainer Marcus John getrennt hatte, ist der Weg für die ehrgeizige Düsseldorferin frei.

Inka Grings soll der Mannschaft spätestens am Dienstag vorgestellt werden – falls den Kickern nach der englischen Woche ein freier Montag gegönnt werden sollte. Am Samstag durfte sich die zweifache Fußball-Europameisterin selbst davon überzeugen, dass auf sie noch ein hartes Stück Arbeit wartet, wenn die Straelener „Mission Klassenerhalt“ zu einem erfolgreichen Ende gebracht werden soll.

Denn unter Regie des Sportlichen Leiters Stephan Houben – der Meistermacher der Saison 2016/’17 feierte ein unverhofftes Comeback auf der Trainerbank – präsentierte sich das Team vor 600 Zuschauern in der Lippstädter Liebelt-Arena zwar in einer kämpferisch einwandfreien Verfassung. Und die gute Moral wurde letztlich auch mit einem verdienten 0:0 und damit einem wichtigen Punkt belohnt. Doch der Aufsteiger, der bei der Kaderplanung die Abteilung Attacke offenkundig vernachlässigt hat, strahlt nahezu überhaupt keine Torgefahr mehr aus. Die Nullnummer beim Mitaufsteiger war inzwischen bereits die vierte Partie in Folge ohne Straelener Treffer. Die beiden einzigen Tore, die der Regionalligist 2019 geschossen hat, gehen auf das Konto von Innenverteidigern: Beim 1:1 gegen den Wuppertaler SV traf Patrick Ellguth in der Schlussphase zum Ausgleich; eine Woche später brachte der zurzeit verletzte Adli Lachheb die Grün-Gelben beim 1:1 beim FC Kaan-Marienborn zunächst in Führung. Da könnte Inka Grings genau die Richtige sein, dieses gravierende Problem in Angriff zu nehmen. Schließlich wusste sie während ihrer aktiven Laufbahn ganz genau, wo das gegnerische Tor steht. 353 Tore in 271 Spielen für den damaligen FCR Duisburg, der vor fünf Jahren in den MSV eingegliedert worden ist, sprechen Bände.

Grings sah am Samstag ein Duell der Neulinge, in dem sich beide Mannschaften in der ersten Halbzeit praktisch völlig neutralisierten – Strafraumszenen Fehlanzeige. „Sicherlich haben die Zuschauer keinen fußballerischen Leckerbissen serviert bekommen. Aber das war im Vorfeld auch nicht zu erwarten. Ich bin mit der Vorstellung der Mannschaft sehr zufrieden, weil die Spieler von Anfang an richtig Gas gegeben haben. Den angestrebten Punkt haben wir völlig verdient mitgenommen“, meinte Houben nach der Begegnung.

Der Interimscoach, der seine überaus erfolgreiche Tätigkeit an der Straelener Römerstraße im Sommer endgültig beendet, hätte um ein Haar zehn Minuten nach der Pause den Führungstreffer der Grün-Gelben bejubeln dürfen. Der Lippstädter Torhüter Christopher Balkenhoff musste schon sein ganzes Können aufbieten, um einen Schuss von Drilon Istrefi zu entschärfen. Der Rechtsaußen war zu seinem ersten Startelf-Einsatz nach langer Zeit gekommen, weil sich Björn Kluft am Freitag im Abschlusstraining eine Verletzung an der Leiste zugezogen hatte. Eine weitere Gelegenheit für den SV Straelen hatte Randy Grens, der zu Beginn der zweiten Hälfte für die erneut glücklose Sturmspitze Shun Terada ins Spiel gekommen war. Der Niederländer traf in der 70. Minute nur das Außennetz.

Auf der anderen Seite musste der mitgereiste Straelener Anhang drei Minuten vor dem Abpfiff einmal ganz tief durchatmen, als ein Schuss des Lippstädters Gerrit Kaiser an den Pfosten klatschte. Doch der Treffer hätte ohnehin nicht gegolten, weil Schiedsrichter Christopher Schütter in dieser Situation auf Abseits entschieden hatte. So blieb’s beim 0:0 und einem Punkt, der in der Endabrechnung für den SV Straelen noch Gold wert sein kann.

Die Lage im Abstiegskampf hat sich inzwischen zugespitzt. Zwar sieht zwar alles danach aus, als sollten sich neben dem abgeschlagenen Letzten TV Herkenrath (13 Punkte) auch der FC Kaan-Marienborn (22) und der SC Wiedenbrück (24) in Richtung Oberliga verabschieden müssen. Doch Platz 15 wird ebenfalls zum Abstiegsplatz, falls Fortuna Köln oder die Sportfreunde Lotte aus der Dritten Liga in die Regionalliga West absteigen. Und dafür spricht nach der Kölner 3:4-Niederlage im Kellerduell bei Energie Cottbus momentan einiges. Und da wird’s für den SV Straelen, der mittlerweile auf den 13. Platz zurückgefallen ist, auch schon verdammt eng. Die Grün-Gelben haben noch sechs Punkte Vorsprung auf die U 21-Auswahl des Zweitliga-Spitzenreiters 1. FC Köln, die ihre Aufholjagd am Montag mit einem Sieg gegen Borussia Dortmund II fortsetzen möchte. Fünf Punkte Abstand sind es auf die SG Wattenscheid 09. Und deren Sportlicher Leiter Peter Neururer dürfte größten Wert darauf legen, dass in seiner Vita nicht plötzlich ein Abstieg in die Oberliga auftaucht. Ein äußerst kniffliger Fall für den SV Straelen. Inka Grings, übernehmen Sie !

Quelle: RP
Foto: Henrik Martinschledde