Peter Streutgens hat das große Los gezogen. Oberligist SV Straelen ist eine Saison lang Werbeträger für seinen Schlosserei-Betrieb in Wachtendonk. Ein gutes Omen: Der Unternehmer hat als Trainer einige Meisterschaften gefeiert.

Die Bundestrainerin höchstpersönlich hat ganze Arbeit geleistet. Martina Voss-Tecklenburg ließ es sich vor der Abreise in den Urlaub nicht nehmen, in die Lostrommel zu greifen und die neuen Trikot-Sponsoren des Oberligisten SV Straelen zu ermitteln. Wer sich die Glückspilze anschaut, muss anerkennend feststellen: Besser geht’s nicht.

Hauptgewinner ist ein Unternehmer aus Wachtendonk, der sich in den vergangenen Jahren im Fußballsport den Ruf als echter Experte in Sachen Aufstieg erworben hat. Peter Streutgens führte zunächst als Trainer die dritte Mannschaft seines Heimatvereins TSV Wachtendonk-Wankum von der Kreisliga C bis hinauf in die A-Liga, ehe er mit dem GSV Geldern zum Höhenflug von der B-Liga bis in die Bezirksliga ansetzte. Seit gut einem Jahr ist Streutgens für den TSV Wa.-Wa. als sportlicher Leiter im Einsatz und hat jetzt einen Kader zusammengestellt, der reif für einen Platz in der Bezirksliga-Spitzengruppe ist. Und jetzt kommt’s: Der große Lokalrivale von der Römerstraße läuft künftig bei Heimspielen mit dem Schriftzug „Streutgens – Schlosserei & Schmiede Wachtendonk“ auf.

Der Gewinner freut sich diebisch über den Coup: „Auf dem Straelener Trikot steht jetzt ein Jahr lang Wachtendonk. Das hat’s noch nie gegeben.“ Streutgens geht fest davon aus, dass sich die 1000 Euro, die er ebenso wie die 41 Mitbewerber für das Los bezahlen musste, rentieren. „Der SV Straelen ist in der Region ein toller Werbeträger. Die Mannschaft gehört zum Favoritenkreis und wird am Ende hoffentlich die Rückkehr in die Regionalliga schaffen. Auf den Trikots lesen die Leute ,Streutgens’. Besser geht’s doch gar nicht“, sagt der beliebte Handwerksmeister, der 80 Mitarbeiter beschäftigt.

Peter Streutgens, der in Zusammenarbeit mit Trainer Frank Goldau dafür sorgen möchte, dass im Wachtendonker Sportpark Laerheide wieder erfolgreiche Zeiten anbrechen, spricht ganz offen über seine Sympathien für die Grün-Gelben. „Man muss doch einfach auch einmal neidlos die gute Arbeit anerkennen, die Präsident Hermann Tecklenburg und seine Mitstreiter dort seit vielen Jahren leisten. In der vergangenen Saison brauchte ich nur fünf Minuten, um mir ein Regionalliga-Spiel anschauen zu können. Das hat’s hier in der Gegend doch noch nie gegeben“, sagt Streutgens, der nichts dagegen hätte, als Glücksbringer seinen Teil zur Straelener Rückkehr in Liga vier beizutragen. Kompromissbereit hat sich der Wachtendonker auch schon gezeigt. Eigentlich ist sein Firmenlogo in Schwarz gehalten. „Doch dann hätte das Ganze wie ein Borussia-Dortmund-Trikot ausgesehen. Das muss ja nicht sein“, sagt der bekennende Anhänger des 1. FC Köln, dessen Namen jetzt einen leichten Grünstich erhalten hat.

Auch in Sachen Auswärtstrikot hat die prominente Präsidenten-Gattin bei der Ziehung im „Straelener Hof“ einen echten Glücksgriff gelandet – übrigens ähnlich wie bei den Lottozahlen unter streng notarieller Aufsicht. Der Straelener Jurist Marc Heggen garantiert dafür, dass alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Während das heimische Trikot für handfeste Qualitätsarbeit wirbt, ist der grüne Auswärtsdress eher etwas für Feinschmecker. In der Fremde macht der Oberliga-Titelaspirant auf das heimische Restaurant „Artemis“ aufmerksam. Besonders der jüngste Neuzugang der Grün-Gelben wird das grüne Trikot voller Stolz tragen. Der 19-jährige Angreifer Sotirios Kokkinis ist der Sohn von Restaurantchef Joanis, bei dem unzählige Straelener schon urgemütliche Abende verbracht haben. Der dritte Preis geht an einen Mönchengladbacher Unternehmer. Thomas Roderburg gilt über den Niederrhein hinaus als Experte im Bereich moderner Bürokommunikation – mit seinem Los hat er sich eine Bandenwerbung im Stadion an der Römerstraße gesichert.

Der SV Straelen hat damit zum zweiten Mal seinen Trikotsponsor ausgelost – in der Regionalliga hatte der örtliche Glas- und Gebäudereiniger „Ebus“ auf sich aufmerksam machen können. „Das Konzept hat sich nach kurzer Zeit bereits bewährt. Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass trotz des Abstiegs sich erneut so viele Unternehmen, zum Teil sogar aus den Niederlanden, an der Aktion beteiligt haben“, sagt Stephan Dix, Fußball-Abteilungsleiter der Grün-Gelben. Und im Kampf um die sofortige Rückkehr in Liga vier kann es schließlich nicht verkehrt sein, mit dem Namen eines echten Aufstiegs-Experten aufzulaufen.

Quelle: RP
Foto: Ralph Goertz