Der „gute Bulle“ des SV Straelen

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Als kleiner Junge musste Khaled Daftari mit seiner Familie aus Afghanistan fliehen. Die glückliche Zukunft begann im Rheinland. Mit seinem Fachwissen hat der 39-jährige Co-Trainer großen Anteil an den Erfolgen der Grün-Gelben.

Seine Sprache verrät den Rheinländer durch und durch. So launig klingt nur jemand, der mit „Kölnisch Wasser“ getauft worden ist. Hinzu gesellt sich ein sonniges, herzliches Gemüt. Sobald er den Raum betritt, weiß jeder sofort, dass das Glas immer halb voll ist – mindestens. Der gute Mann heißt allerdings nicht Jupp Schmitz. Sondern Khaled Daftari.

Und der hat am 28. Dezember 1977 nicht im Schatten des Kölner Doms, sondern in Kabul, der Hauptstadt von Afghanistan, das Licht der Welt erblickt. Und seine Lebensgeschichte lässt den „Sommermärchen-Song“ von Xavier Naidoo wie eine Schnulze klingen.

Denn der Co-Trainer des Oberligisten SV Straelen weiß aus leidvoller Erfahrung, wann ein Weg steinig und schwer ist – und zwar im wahrsten und bittersten Sinn des Wortes. „Ich war drei Jahre alt, als meine Eltern fliehen mussten. Mein Vater war vom Tod bedroht, weil er sich als Pilot geweigert hatte, Waffen für die russischen Besatzer zu transportieren“, erzählt Daftari. Mit wenigen Habseligkeiten schlug sich die Familie durch die Berge bis nach Pakistan durch. Die Mutter war zu jener Zeit schwanger – Khaleds Bruder Said sollte viele Jahre später das Trikot der afghanischen Fußball-Nationalmannschaft tragen.

Die Daftaris hatten Glück und landeten schließlich in Deutschland. Khaled ist in der Nähe von Köln aufgewachsen. Mit allem, was dazugehört. Einem breiten, rheinischen Akzent. Und einer Leidenschaft für den 1. FC Köln, dem er unverbrüchlich die Treue hält. Später zog die Familie in den Schwarzwald, wo er für die Jugend des Freiburger FC am Ball war. Die Odyssee endete schließlich in Mönchengladbach, wo Khaled Daftari sein Abitur machte und heute noch zu Hause ist. Die Fußballschuhe hatte er damals schon an den Nagel gehängt. „Das lag sicher auch daran, weil’s in meiner Schulklasse einfach keine Fußballer gab.“ Doch es folgte ein Schlüsselerlebnis beim Jugendtraining des Rheydter SV. „Ich bin mit dem damaligen Nachwuchscoach Michael Holthausen ins Gespräch gekommen. Und der hat mich nach einigen Wochen gefragt, ob ich nicht Lust hätte, sein Co-Trainer zu werden.“

Gesagt, getan: Eine Erfolgsgeschichte nahm ihren Anfang. Zu jener Zeit war in Rheydt übrigens auch schon ein gewisser Stephan Houben tätig. Zwischen beiden entwickelte sich schnell eine enge Freundschaft. Und es sollte nicht lange dauern, bis das unvergleichliche Trainer-Duo Houben/Daftari den Mönchengladbacher Amateurfußball eroberte. Im Jahr 2006 – Daftari hatte damals gerade seinen Job als Unternehmensberater angetreten – traten sie erstmals eine fast unmögliche Mission im Seniorenbereich an. Bezirksligist Fortuna Mönchengladbach hatte nahezu seine komplette Mannschaft verloren. Der Abstieg war unvermeidlich. Doch nur ein Jahr später durften die Freunde ihre erste gemeinsame Aufstiegsfeier genießen. Es folgten weitere Stationen beim SV Lürrip und beim 1. FC Mönchengladbach, den Houben/Daftari in der Saison 2014/15 in die Oberliga führten. Khaled Daftari verrät eine entscheidende Zutat des gemeinsamen Erfolgsrezepts: „Stephan und ich haben uns einfach immer hervorragend ergänzt. Eine Rolle hat dabei das ,böser Bulle, guter Bulle‘-Prinzip gespielt“, sagt Daftari.

Der Gute war selbstverständlich immer der fröhliche Rheinländer, der auch jene Spieler bei Laune hält, die ein längeres Dasein auf der Bank fristen müssen und mit den Entscheidungen des Chefs nicht einverstanden sind.

Hinter all‘ den bemerkenswerten Erfolgen, auf die schließlich auch Hermann Tecklenburg, Präsident des SV Straelen, aufmerksam wurde, steckt viel Kompetenz und harte Arbeit. Daftari nennt das gemeinsame Credo, mit dem das Duo die Grün-Gelben in der vergangenen Saison in die Oberliga führte: „Du musst immer etwas mehr tun als die Konkurrenz, um Erfolg zu haben.“

Die eigentliche Stärke des (noch) 39-Jährigen liegt in der exakten Analyse. Wenn Khaled Daftari einen Gegner beobachtet, kann er anschließend Stärken und Schwächen bis ins kleinste Detail benennen – eine Eigenschaft, die dem SV Straelen schon viele Punkte beschert hat. Auch in der laufenden Saison, in der er erstmals ohne seinen „Buddy“ Stephan Houben auskommen muss, der sich im Sommer zunächst eine schöpferische Pause gegönnt hatte und inzwischen den Bezirksligisten TSV Wachtendonk-Wankum trainiert.

Auch ohne seinen Kumpel fühlt sich Daftari an der Römerstraße wohl: „Wir haben eine tolle Mannschaft, viele helfende Hände und einen Präsidenten, der immer ein offenes Ohr hat, wenn man gute Argumente hat.“ Deshalb stehen die Zeichen nicht unbedingt auf Abschied. Auch wenn die Zeit für den „guten Bullen“, der momentan die Trainer-B-Lizenz erwirbt, allmählich gekommen ist, sich der Chefrolle zu stellen.

In jedem Fall hält 2018 einschneidende Erlebnisse für Khaled Daftari bereit. Im Juni wird er seine Verlobte Madina heiraten, kurz zuvor hat er mit dem SV Straelen vielleicht schon den Aufstieg in die Regionalliga gefeiert. Was auch immer passiert: Einen Rheinländer, der schon als Kleinkind einen steinigen und schweren Weg absolvieren musste, kann so schnell nichts mehr erschüttern. Nicht einmal der drohende Abstieg des geliebten 1. FC Köln.

Quelle: RP

By |2017-12-27T12:00:50+00:00Dezember 27th, 2017|Allgemein, Senioren, Verein|0 Comments

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