2:0 (0:0) am traditionsreichen Uhlenkrug bei Schwarz-Weiß Essen: Der Tabellenführer aus Straelen feiert den sechsten Sieg in Serie und eilt bereits in der Anfangsphase der Saison mit großen Schritten zurück in die Regionalliga

Hermann Tecklenburg gönnte sich zwar auch im Stadion am Uhlenkrug die obligatorische Schlussphasen-Zigarette. Doch der Nervenkitzel bleibt dem Präsidenten des SV Straelen in der laufenden Saison erspart. Bereits nach sechs Spielen in der Oberliga lässt sich konstatieren: Die Mannschaft ist ganz einfach zu stark für die Konkurrenz und eilt schon in der Anfangsphase mit großen Schritten zurück in die Regionalliga.

Vor knapp 300 Besuchern im Essener Süden offenbarten die Grün-Gelben eine Tugend, die beim geplanten Start-Ziel-Durchlauf in Liga vier noch eine wichtige Rolle spielen wird: Geduld. Die Partie beim ETB Schwarz-Weiß Essen, der immer noch wehmütig an jeder Ecke dem Gewinn des DFB-Pokals vor 60 Jahren gedenkt, entpuppte sich lange Zeit als zäher Fußball-Langeweiler. Der Gastgeber, der eine Woche zuvor im Derby bei der Spielvereinigung Schonnebeck seine erste Saisonniederlage kassiert hatte, war in erster Linie darum bemüht, die Null zu halten. Diese Taktik funktionierte auch recht gut. Die Strae­lener Angreifer Shun Terada und Kaito Mizuta fanden in der ersten Halbzeit keine Lücke in der gegnerischen Deckung. Aram Abdelkarim hat in seiner Laufbahn schon bessere Tage erwischt und blieb auf der linken Seite so gut wie wirkungslos. Auf dem rechten Flügel narrte Meguru Odagaki zwar einige Male seine Kontrahenten, doch seine Dribblings waren zunächst eher was für die Galerie.

Folgerichtig gab’s so gut wie keine Chancen. In der 34. Minute semmelte Abdelkarim einen direkten Frei­stoß in Richtung der Rüttenscheider Flaniermeile, sechs Minuten später senkte sich ein Schlenzer des aufgerückten Außenverteidigers Ole Päffgen knapp über die Latte. Auf der anderen Seite blieb Straelens Torhüter Daniel Szczepankiewicz praktisch beschäftigungslos. Einmal musste er zuschauen, wie Essens Spielmacher Athanasios Tsourakis einen Ball am rechten Pfosten vorbei setzte – das war’s auch schon. In der zweiten Hälfte zeigten die Schwarz-Weißen etwas mehr Temperament, blieben aber harmlos.

Da auch der SV Straelen zunächst nicht zwingend auf den Führungstreffer drängte, sprach einiges für eine Nullnummer. Das große Plus des Titelaspiranten von der Römerstraße: Die Grün-Gelben haben sich klug verstärkt. Der SV Strae­len hat jede Menge Qualität auf der Bank sitzen, so dass Trainerin Inka Grings jederzeit reagieren kann, um ein Spiel noch in die entscheidende Richtung zu lenken.

So beispielsweise mit der Einwechslung von Neuzugang Gökan Lekesiz, der in der 66. Minute ins Spiel kam. Der Mann mit dem ausgeprägten Torriecher kam vier Minuten später erstmals im gegnerischen Strafraum an den Ball und versenkte ihn prompt humorlos zum 1:0 in den Kasten. Der Rest war Formsache für den SV Straelen, der ganz im Stile eines Meisters auftrat, der auch die eher glanzlosen Auftritte für sich entscheidet.

Schwarz-Weiß Essen war einfach zu harmlos, um den Schalter noch einmal entscheidend umlegen zu können. Der aufgerückte Innenverteidiger Maximilian Funk machte in der 86. Minute den Deckel drauf, als er im Anschluss an eine Ecke goldrichtig stand.

„Die Mannschaft hat die nötige Geduld mitgebracht“, stellte Straelens Sportlicher Leiter Stephan Houben nach dem Spiel zufrieden fest. „Mit solchen Gegnern, die sich in erster Linie auf die Defensive konzentrieren, werden wir es in Zukunft häufiger zu tun bekommen“, meinte Co-Trainer Stefan Post.

Und Inka Grings nahm recht gelassen zur Kenntnis, dass ihre Mannschaft die nächste Hausaufgabe im Rahmen der Mission „Regionalliga-Rückkehr“ gelöst hat: „Der Treffer von Gökan Lekesiz war der Dosenöffner, den wir benötigt haben. Insgesamt geht der Sieg in Ordnung, weil wir uns in der zweiten Halbzeit gesteigert haben.“

Am kommenden Sonntag steht das Heimspiel gegen den FC Kray auf dem Programm, der immerhin als Tabellendritter an die Römerstraße reist. Von einem Spitzenspiel kann dennoch keine Rede sein. Weil der SV Straelen einfach zu stark für die Oberliga ist.

Quelle: RP
Foto: Andre Nückel