Nach dem 2:0 (0:0) gegen Viktoria Köln muss am letzten Spieltag bei Wattenscheid 09 ein weiterer Sieg her

Straelens Vereinswirt Dieter Niersmans hatte den Schlüssel zum überraschenden 2:0 (0:0)-Heimsieg gegen Tabellenführer Viktoria Köln gefunden: „In der zweiten Halbzeit bin ich zum ersten Mal überhaupt von meinem Sitzplatz neben der Sprecherkabine auf die andere Spielfeldseite zwischen die beiden Trainerbänke gewandert. Deshalb haben wir wohl heute gewonnen. Ich frage mich, weshalb ich das nicht schon ein paar Spieltage vorher ausprobiert habe. Jetzt trinke ich erstmal einen Jägermeister.“

Wie auch immer – der Regionalliga-Neuling hat am Samstag vor 920 Zuschauern in allerletzter Minute noch einmal den Kopf aus der Schlinge gezogen. In der 89. Minute war der SV Straelen beim Stand von 0:0 bereits abgestiegen, da der Bonner SC bei Alemannia Aachen parallel mit 2:1 führte – bei diesem Resultat sollte es am Tivoli auch bleiben. Doch dann bestätigte Linksaußen Aram Abdelkarim seinen Ruf als Kunstschütze und ließ dem Kölner Torhüter Sebastian Patzler mit einem satten Distanzschuss keine Abwehrchance. In der vierten Minute der Nachspielzeit setzte der eingewechselte Denis Sitter nach einem Konter noch einen drauf – der SV Straelen hat sein Endspiel um den Klassenerhalt. Dieses wird am kommenden Samstag, 18. Mai, im traditionsreichen Stadion Lohrheide ausgetragen. Die Konstellation: Bei der SG Wattenscheid 09 muss ein weiterer Sieg her. Ansonsten ist der Abstieg des SV Straelen besiegelt.

Bringen die Grün-Gelben unter Regie ihrer Trainerin Inka Grings die „Mission Klassenerhalt“ zu einem erfolgreichen Ende, muss wahrscheinlich der ehemalige Bundesligist aus Wattenscheid runter in die Oberliga. Denn dem Bonner SC, der aktuell mit einem Punkt Vorsprung (und der um 15 Treffer besseren Tordifferenz) auf den SV Straelen den rettenden Platz 14 belegt, reicht bereits ein Unentschieden im Heimspiel gegen Absteiger FC Kaan-Marienborn, um endgültig auf der sicheren Seite zu sein. SVS-Trainerin Inka Grings war nach dem Spiel voll des Lobes für ihr Team: „Wir müssen erst einmal alle tief durchatmen. Wir wollten kompakt agieren und wussten, dass Viktoria unruhig wird, je länger wir das Spiel offenhalten. Es war bärenstark, wie die Mannschaft dran geglaubt hat.“ Ganz und gar nicht zufrieden war natürlich auf der Gegenseite Viktoria-Coach Patrick Glöckler, der sichtlich mitgenommen wirkte. „Ich bin ein bisschen sprachlos, weil wir uns viel vorgenommen hatten. Wir haben uns das anders vorgestellt und den ersten Matchball vergeben.“

Fraglich ist offenbar, ob Glöckler beim zweiten Matchball seiner Truppe am nächsten Samstag im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach II überhaupt noch auf der Bank sitzen darf. Äußerungen aus dem Umfeld des Spitzenreiters lassen darauf schließen, dass eine vorzeitige Trennung vor dem letzten Spieltag nicht ausgeschlossen ist. Dabei hatte der Tabellenführer an der Römerstraße verheißungsvoll begonnen. Viktoria drückte von Beginn an ordentlich aufs Gaspedal. So hätte der Spitzenreiter bereits nach einer Viertelstunde klar in Führung liegen können, doch Chancen von Timm Golley (3. und 15. Minute) sowie Marcel Gottschling, dessen Schuss David Buchholz stark parierte, fanden nicht den Weg ins Netz. In der Folgezeit wurde es für die Kölner immer schwerer, Lücken in der Defensive des SVS zu finden. Denn Inka Grings hatte eine defensiv ausgerichtete Fünfer-Mittelfeldkette mit Kevin Weggen im Zentrum als Unterstützung der Abwehr ins Rennen geschickt.

„Wir wussten vor dem Spiel, dass wir gegen Viktoria nur überleben können, wenn wir uns nicht auseinanderziehen lassen“, erklärte Inka Grings. Die Gäste aus der Domstadt blieben bis zum Halbzeitpfiff die tonangebende Mannschaft, ohne jedoch zu großen Tormöglichkeiten zu kommen. Die beste Chance hatte nach 40 Minuten wieder Tim Golley, dessen Direktabnahme knapp am Winkel vorbeiflog.

In Durchgang zwei traute sich der SV Straelen von Minute zu Minute mehr zu. Zwar blieben auch weiterhin die ganz großen Torchancen aus, jedoch konnte man sich im Vergleich zum ersten Durchgang deutlich mehr Entlastung in der eigenen Hälfte schaffen. Nachdem David Buchholz zunächst einen Gewaltschuss von Tobias Willers entschärfen konnte (57.), hatte sieben Minuten später der unermüdlich rackernde Shun Terada die bis dato größte Chance für den Gastgeber. Nachdem er sich von links mustergültig durch den Strafraum getankt hatte, wurde sein Zuspiel in die Mitte im letzten Moment von einem Kölner Abwehrbein geklärt. Die Schlussphase sollte es dann in sich haben. Nachdem die Führung des Tabellenzweiten Rot-Weiß Oberhausen in Lippstadt zu den zahlreich mitgereisten Kölner Fans durchgesickert war, wurde es zunehmend unruhiger auf der Tribüne.  Ebenfalls hektisch wurde es zu diesem Zeitpunkt auf der Straelener Trainerbank. „Als ich von der Bonner Führung in Aachen erfahren habe, musste ich die Mannschaft offensiver spielen lassen“, erklärte Grings.

Und im Gegensatz zum missglückten Auftritt bei Borussia Dortmund II sollte der Mut zum Risiko diesmal belohnt werden. Aram Abdelkarim sorgte mit seinem „Tor des Monats“ für kollektiven Jubel im Lager des SVS. Trotz fünfminütiger Nachspielzeit verließen jetzt schon einige Kölner Fans das Stadion. Zu gering war der Glaube ans eigene Team, das Spiel noch drehen zu können. Sie verpassten den Treffer zum 2:0-Endstand von Denis Sitter – auf zum „Finale“ in der Lohrheide !

Quelle: RP