Die Rückkehr in die Regionalliga ist kein Selbstläufer. Aber die Aufbruchstimmung an der Römerstraße ist groß.

Der Abstieg aus der Regionalliga schmerzt zwar immer noch. „Man darf schließlich nicht vergessen, dass wir gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten TV Herkenrath leer ausgegangen sind. Hätten wir die beiden Pflichtsiege eingefahren, wären wir am Ende Zehnter geworden“, sagt Präsident Hermann Tecklenburg.

Doch im Misserfolg liegt bekanntlich auch immer eine Chance. Und es spricht einiges dafür, dass die Verantwortlichen der Grün-Gelben diese schon in der Sommerpause beim Schopf ergriffen haben.

Trainerin Inka Grings, Sportlicher Leiter Stephan Houben und „Boss“ Tecklenburg haben in den vergangenen Wochen einen Kader zusammengestellt, der den Fußballfreunden an der Römerstraße in der kommenden Saison verdammt viel Spaß bereiten dürfte. Gute Laune ist deshalb auch schon beim offiziellen Trainingsauftakt am Mittwochabend an der Römerstraße angesagt. Inka Grings verlangt zwar viel von ihren Jungs. In der Vorbereitung stehen bis zu neun Einheiten in der Woche auf dem Programm. Aber alles in der richtigen Dosierung. „Keine Sorge, wir werden bei dem Wetter nicht knüppeln. Das bringt überhaupt nichts.“ Solche Worte hören Fußballer, die gerade erst eine kurze Sommerpause genossen haben, natürlich gern. Und so stehen zunächst einmal einige Pass- und Torschuss-Übungen und ein Spielchen auf dem Programm. Zum Schluss schnappt sich Stephan Houben den Ball und schießt der Trainerin ein paar Elfmeter um die Ohren. Die Botschaft kommt an, auch bei den Zuschauern am Rand. Da soll von Anfang an ein verschworener Haufen zusammenwachsen, der in der nächsten Saison die sofortige Rückkehr in die Vierte Liga in Angriff nimmt.

Neugierige Blicke zieht vor allem Aleksandar Pranjes auf sich. Man erkennt sofort, da hat sich der SV Strae­len mal wieder einen Feingeist geangelt, der den Ball streichelt. Der 28-Jährige stammt aus der Jugend von Borussia Mönchengladbach und hat anschließend schon für Vereine wie den 1. FC Saarbrücken, den Wuppertaler SV und KFC Uerdingen gekickt. In der nächsten Saison soll er seinen Teil dazu beitragen, dass an der Römerstraße im Frühsommer 2020 zum zweiten Mal der Gewinn der Oberliga-Meisterschaft gefeiert werden kann. Rechts Pranjes, auf dem linken Flügel ein Mann, der mit dem Ball ein ebenso inniges Freundschaftsverhältnis pflegt. Aram Abdelkarim bleibt dem SV Straelen erhalten und steigt am Wochenende ins Training ein. Und im Gegensatz zur Vorsaison hat Inka Grings in vorderster Front diesmal die Qual der Wahl.

Die Grün-Gelben haben zwei Torjäger verpflichtet, deren Namen allein schon Kopf- und Magenschmerzen bei vielen Verteidigern auslöst. Marvin Ellmann muss sich zwar noch mit seinem aktuellen Verein Schwarz-Weiß Essen einigen, was schon am kommenden Wochenende über die Bühne gehen könnte. Hinzu kommt Fatmir Ferati, der in der abgelaufenen Saison den FC Kray zurück in die Oberliga geschossen und zuvor die Fußballfreunde am Schloss Strünkede in Herne in Begeisterung versetzt hat.

Westfalia-Trainer Christian Knappmann gehört zum großen Fußball-Freundeskreis von Hermann Tecklenburg. „Ich habe mich lange mit Christian unterhalten. Er hat mir bestätigt, dass Ferati ein ausgezeichneter Spieler ist, der in der Oberliga eine überragende Rolle spielen dürfte“, sagt der Präsident. Hinzu kommt Regionalliga-Torjäger Shun Terada, der sich aller Voraussicht nach ebenfalls an der Reparatur des Abstiegs beteiligt. Zumal das Wiedersehen mit seinem jüngeren Bruder Ryo, der aus Meerbusch kommt, den Wohlfühl-Faktor an der Römerstraße noch einmal steigern dürfte. Nicht zu vergessen Meguru Odagaki. Nicht wenige Experten trauen dem kleinen Japaner zu, eine Etage tiefer seine Ladehemmung überwinden zu können, nachdem er in Liga vier mitunter überfordert gewirkt hatte.

Rechtzeitig hat sich der SV Straelen auch um eine neue Abwehrzentrale gekümmert. „Wir werden die Verträge mit Patrick Ellguth und Adli Lachheb nicht verlängern“, teilt Tecklenburg unmissverständlich mit. Die neuen Innenverteidiger sind schon da. Fatlum Zaskoku zählt ebenso wie Fatmir Ferati zu den Krayer Aufstiegshelden der abgelaufenen Saison. Und der 31-Jährige hielt zuvor ebenfalls bei Westfalia Herne den Laden dicht – unter anderen als spielender Co-Trainer von Christian Knappmann. Tecklenburg: „Er hat ihn mir wärmstens empfohlen. Zaskoku dürfte sich als echte Verstärkung erweisen.“ Das dürfte auch für seinen künftigen Innenverteidiger-Kollegen gelten. Ahmet Saglam war zuletzt in Norddeutschland für den VfB Oldenburg im Einsatz, nachdem er zuvor sein Geld bei diversen türkischen Profi-Clubs verdient hatte. Jetzt möchte der gebürtige Bonner zurück nach Nordrhein-Westfalen – ein Umstand, der sich für den SV Straelen als Glücksfall erweisen könnte.

Am Samstag macht sich Hermann Tecklenburg auf den Weg in die Bretagne, um seiner Frau Martina und der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft im WM-Viertelfinale gegen Schweden vor Ort in Rennes die Daumen zu drücken. Aus der niederrheinischen Heimat bringt er jedenfalls schon einmal erfreuliche Nachrichten und entsprechend gute Stimmung mit.

Quelle: RP