Regionalligist muss sich nach langer Talfahrt auf ein „Endspiel“ um den Klassenerhalt in der Wattenscheider Lohrheide einstellen.

Was haben Trainer Claus-Dieter „Pele“ Wollitz und der FC Energie Cottbus mit dem SV Straelen zu tun ? Die Antwort auf diese Frage ist gar nicht so schwierig: Die Mannschaft des ehemaligen Bundesligisten aus der Lausitz hat am Ostersonntag mit einem 3:0-Erfolg im Drittliga-Spiel bei den Sportfreunden Lotte dafür gesorgt, dass sich der Neuling vom Niederrhein eine Etage tiefer erstmals seit dem ersten Spieltag (0:2 bei RW Oberhausen) wieder auf einem Abstiegsplatz befindet. Cottbus verdrängte mit dem Auswärtssieg Fortuna Köln auf Rang 17. Der Traditionsclub aus der Kölner Südstadt müsste sich damit am Saisonende in Richtung Regionalliga West verabschieden, in der sich wiederum in diesem Fall die Zahl der Absteiger auf vier erhöht. Betroffen ist aktuell der SV Straelen, der nach einer monatelangen Talfahrt inzwischen mit 33 Punkten auf Platz 15 zurückgefallen ist und damit die Abstiegszone in der Vierten Liga anführt.

Die Lage in der Dritten Liga: Sollten sich die Sportfreunde Lotte, die zurzeit noch mit 39 Punkten den rettenden 14. Platz belegen, oder Fortuna Köln (38 Punkte, Rang 17) in die Regionalliga West verabschieden, gibt’s dort vier Absteiger. Davon ist fest auszugehen. Denn während die beiden West-Vertreter in den vergangenen Wochen kontinuierlich geschwächelt haben und nichts für eine Trendwende in den restlichen vier Meisterschaftsspielen spricht, ist die Konkurrenz im Drittliga-Abstiegskampf stark im Kommen. Die SG Sonnenhof-Großaspach aus Schwaben, der FC Energie Cottbus (beide 38 Zähler), Eintracht Braunschweig und der FC Carl Zeiss Jena (beide 37) haben sich zuletzt stark verbessert präsentiert und das Momentum eindeutig auf ihrer Seite. Sollte es übrigens Fortuna Köln und die Sportfreunde Lotte erwischen, passiert nichts weiter. Die Zahl der Absteiger ist in der laufenden Saison der Regionalliga West auf maximal vier begrenzt.

Das Abstiegs-Szenario in der Regionalliga West: Fußballfreunde sollten sich den Samstag, 18. Mai, schon einmal ganz dick im Kalender anstreichen. Nicht nur, weil sich eventuell der FC Bayern München und Borussia Dortmund ab 15.30 Uhr ein Fernduell um die Deutsche Meisterschaft liefern. Momentan spricht einiges dafür, dass 90 Minuten früher in der traditionsreichen Lohrheide folgendes Endspiel um den Regionalliga-Klassenerhalt angepfiffen wird: SG Wattenscheid 09 gegen SV Straelen. Diese beiden Mannschaften dürften das Rennen um den begehrten Platz 14, der in jedem Fall die Rettung bedeutet, unter sich ausmachen. Die ersten drei Absteiger stehen mehr oder weniger schon fest. Das abgeschlagene Schlusslicht TV Herkenrath (13 Punkte) ist schon seit Monaten nicht mehr zu retten. Und Mitaufsteiger FC Kaan-Marienborn (26 Punkte, noch zwei Nachholspiele in der Hinterhand) und der SC Wiedenbrück (31 Zähler) haben ihre Aufholjagd wahrscheinlich etwas zu spät gestartet, um sich noch ernsthaft Hoffnungen auf den Klassenerhalt machen zu dürfen.

Weitere Abstiegskandidaten sind indes nicht in Sicht. Der 1. FC Köln II (36 Punkte) präsentiert sich seit Monaten in Topform und demonstrierte am Samstag mit einem sensationellen 6:1-Triumph beim Tabellenzweiten RW Oberhausen noch einmal eindrucksvoll seine Stärke. Auch der Tabellenzwölfte Bonner SC (37 Zähler) dürfte in den restlichen vier Spielen in jedem Fall das eine oder andere Pünktchen sammeln, das vielleicht noch zur Rettung fehlt.

Die Ausgangslage des SV Straelen ist gar nicht einmal so schlecht, wie sie nach zehn sieglosen Spielen in Serie und dem Absturz auf Platz 15 auf den ersten Blick erscheinen mag. Schon bei der Nullnummer in Bonn war der erste Sieg in einem Meisterschaftsspiel im Kalenderjahr 2019 in greifbarer Nähe. Und wahrscheinlich hätte es am vergangenen Donnerstag (2:4 bei Borussia Mönchengladbach II) zu einer Überraschung gereicht, wenn nicht Yodan Kim kurz nach dem Seitenwechsel wegen einer Schwalbe vom Platz geflogen wäre. In den nächsten drei Spielen geht’s für die Mannschaft um Fußball-Lehrerin Inka Grings in erster Linie darum, sich eine optimale Position für das eingangs erwähnte Finale in der Lohrheide zu verschaffen. Soll heißen: Die SG Wattenscheid 09 sollte nach Möglichkeit bis zum 18. Mai auf Platz 15 verdrängt werden, um das erhoffte Happy-End bereits mit einem Unentschieden eintüten zu können. Denn das Maurer-Handwerk beherrscht die Truppe des erfolgreichen Bauunternehmers Hermann Tecklenburg. Zumal sich Innenverteidiger Adli Lachheb, mit Abstand bester Spieler im Kader der Grün-Gelben, rechtzeitig für den Endspurt wieder fit gemeldet hat.

Notausgang I Die Zahl der Absteiger aus der Regionalliga West reduziert sich auf drei, sobald einem der insgesamt vier potenziellen Aufsteiger aus den Oberligen Niederrhein, Mittelrhein und Westfalen vom Westdeutschen Fußball-Verband die Lizenz verweigert werden sollte. Dieser Fall ist allerdings äußerst unwahrscheinlich. In der Oberliga Niederrhein ist der VfB Homberg um den ehemaligen Straelener Trainer Stefan Janßen fast schon am Ziel – an der Viertliga-Tauglichkeit des Clubs aus dem linksrheinischen Duisburger Stadtteil bestehen keinerlei Zweifel. Ähnlich sieht’s mit dem designierten Mittelrhein-Meister aus: Der FC Wegberg-Beeck bringt aus der Vergangenheit Regionalliga-Erfahrung mit. Einem Comeback sollte daher nichts im Wege stehen. Gleich zwei Aufsteiger stellt in diesem Jahr die Oberliga Westfalen. Unangefochtener Tabellenführer ist die U 23-Auswahl des FC Schalke 04 – da stellt sich die Frage nach der Lizenz erst gar nicht. Das Rennen um die Vizemeisterschaft dürfte der TuS Haltern am See, der mit dem klangvollen Motto „Wahrer Fußball statt Ware Fußball“ Werbung in eigener Sache macht, für sich entscheiden. Vorsitzender des Clubs ist ein gewisser Christoph Metzelder. Und der ehemalige Nationalspieler und Vizeweltmeister von 2002 hat bereits angekündigt, seinen Heimatverein in jedem Fall in die Vierte Liga führen zu wollen.

Notausgang II Über diese Rettungsgasse sollte der SV Straelen gar nicht erst nachdenken, weil sie eine Riesensauerei und eine Schande für den deutschen Fußball wäre. Dennoch sei der mögliche Fluchtweg an dieser Stelle genannt: Sollte der Vorstand des TV Herkenrath die Mannschaft bis einschließlich kommenden Dienstag, 30. April, 23.59 Uhr, beim Westdeutschen Fußball-Verband aus der Meisterschaft zurückziehen, würden sämtliche Spiele des abgeschlagenen Tabellenletzten annulliert, erst ab 1. Mai behalten die bislang erzielten Resultate in jedem Fall ihre Gültigkeit. Soll heißen: Der SV Straelen, der beide Spiele gegen den Absteiger verloren hat, würde seine 33 Zähler behalten, während sich die Konkurrenz auf erhebliche Punktabzüge einstellen müsste. Bevor so etwas passiert, sollten sich die Grün-Gelben lieber erhobenen Hauptes und mit Anstand in die Oberliga verabschieden, als weiter mit einer Mannschaft, die ihr Klassenziel sportlich verfehlt hat, in Liga vier zu kicken.

Die Zukunft von Inka Grings Die ehemalige Rekord-Torjägerin ist die erste Frau, die eine Mannschaft in den höchsten vier deutschen Ligen trainiert. Die Fußball-Lehrerin ist mit dem ehrgeizigen Ziel angetreten, den SV Straelen zum Klassenerhalt zu führen. Dieses lässt sich immer noch erreichen, obwohl in den ersten drei Spielen unter ihrer Regie gerade einmal ein Punkt herausgesprungen ist. Sollte das Projekt scheitern, würde Inka Grings sich wahrscheinlich schon nach dem Wattenscheid-Spiel wieder von der Römerstraße verabschieden.

Quelle: RP