Vor der mageren Kulisse von gerade einmal 210 Zuschauern zeigen sich die Grün-Gelben von der ersten Saisonniederlage unbeeindruckt und untermauern ihre Favoritenstellung.

Als Schiedsrichter Lukas Luthe aus Essen die Spieler zum Pausentee lud, zeigte die Straelener Stadionuhr gerade einmal die 44. Spielminute. Was den gerade einmal 210 Zuschauern an der Römerstraße bis dahin geboten worden war, hätte ruhig noch ein paar Minuten Verlängerung verdient gehabt.

Denn das Publikum bekam Oberliga-Fußball auf ganz hohem Niveau zu sehen. Das war auch der Ratinger Mannschaft zu verdanken, die sich beim Tabellenführer nicht versteckte und mutig offensiv mitspielte.

Da sich erwartungsgemäß auch Inga Grings für die offensive Variante entschieden hatte, entwickelte sich schnell eine Partie, in der es mit sehenswerten Szenen rauf und runter ging. Die erste gefährliche Aktion war den Gästen aus Ratingen vorbehalten, als in der neunten Minute im Anschluss an den zweiten Eckball der aufgerückte Verteidiger Phil Spillmann die Kugel frei stehend über das Straelener Gehäuse köpfte.

Lange dauerte es allerdings nicht, bis der Gastgeber für den ersten Aufreger sorgte. Da fasste sich Gökan Lekesiz, der mit Shun Terada das Sturmduo bildete, ein Herz, sprintete mit Ball über den halben Platz bis zum Ratinger Strafraum, wo er dann von den Beinen geholt wurde. Da er deutlich im Sechzehner landete, erwarteten die meisten Zuschauer einen Elfmeterpfiff. Doch der Referee hatte die Attacke vor der Linie gesehen. Der fällige Freistoß ging knapp über das Tor.

Wenige Minuten später stand Lekesiz erneut im Brennpunkt, als ihm nach einer Ecke der Ball zwei Meter vor dem Tor vor die Füße fiel, er aber am Gästeschlussmann Dennis Raschka scheiterte. Ab der 20. Minute kam dann die Zeit von Aram Abdelkarim. Der erste Schuss des Außenstürmers aus gut 20 Metern streifte die Latte, beim zweiten Versuch stand der linke Pfosten im Weg. In der 26. Minute wurde Abdelkarim dann aber doch belohnt, als er von Meguru Odagaki mustergültig bedient wurde und sein dritter Versuch den Weg zur 1:0-Führung ins Gästetor fand.

Die Mannschaft aus dem Kreis Mettmann zeigte sich von diesem Rückstand wenig beeindruckt, spielte weiter nach vorne und forderte die allgegenwärtige Alarmbereitschaft der grün-gelben Abwehr. Die machte ihre Sache gut, auch wenn in dieser Phase immer wieder mal wieder der Ausgleichstreffer drohte.

Gleich die erste Szene nach Wiederanpfiff versprach weiterhin attraktiven Fußball. Shun Terada hatte freie Bahn, verzog den Ball aber alleine vor dem Ratinger Keeper. Dann aber bewies der Torjäger seine Qualitäten. In der 58. Minute beförderte er eine Flanke von Aaram Abdelkarim per Kopf zur 2:0-Führung ins Tor. Aber auch die Gäste blieben weiterhin gefährlich. So musste Schlussmann Daniel Szczepankiewicz sein ganzes Können aufbieten, als er mit einer Glanzparade einen Kopfball (68.) aus kurzer Distanz entschärfte.

Wenig später war allerdings der Deckel drauf. Erneut war es Shun Terada, der den Tabellenführer endgültig auf die Siegerstraße brachte, als er sich nach einem Freistoß durchsetzte und auf 3:0 erhöhte. In der 74. Minute durfte dann der frisch eingewechselte Kaito Mizuta jubeln, als er nach schöner Vorarbeit von Linksverteidiger Jannik Stevens das 4:0 markierte. Den Ehrentreffer fünf Minuten später durch Yassin Merzagua hatten sich die Ratinger mehr als verdient. In der Schlussphase beschäftigten die Gäste die Straelener Abwehr noch einmal mit einer Eckballserie, doch da war der Sieg längst in trockenen Tüchern.

Am Ende ging der SV Straelen in einer höchst unterhaltsamen Begegnung als verdienter Sieger vom Platz und tütete damit im neunten Anlauf den achten Dreier ein. Mit einem Chancenplus und der besseren Effektivität im Torabschluss war man den Gästen aus Ratingen insgesamt einen Schritt voraus.

Für die Straelener Trainerin Inga Grings war nach der vorangegangenen Niederlage beim Verfolger FC Monheim wieder alles im Lot. Sie lobte in der Pressekonferenz auch das Engagement des Gegners: „Ratingen hat super mitgespielt. Wir haben uns vor dem Tor zunächst noch etwas schwer getan, aber insgesamt alles umgesetzt und gelöst, was wir besprochen hatten. Mit der Leistung bin ich zufrieden.“

Quelle: RP