Der SV Straelen feierte sein „100-Jähriges“ mit einem Festakt und einer Party. Der Verein ist bereit für eine erfolgreiche Zukunft.

Hermann Tecklenburg weiß, was sich gehört. Der Präsident des SV Straelen und sein Stellvertreter Elmar Rogmann begrüßten die rund 250 Gäste, die der Einladung zum Jubiläums-Festakt im Forum an der Fontanestraße gefolgt waren, am Eingang per Handschlag. Und weil „100 Jahre“ SV Straelen entsprechend gewürdigt werden müssen, ging der erfolgreiche Bauunternehmer, Hauptsponsor und Vereinsboss in seiner Begrüßungsrede prompt in die „Nachspielzeit“, wie Moderator Norbert Peters treffend formulierte.

Zunächst bedankte sich Tecklenburg bei der Stadt Straelen, mit deren Unterstützung an der Römerstraße „eine großartige Sportanlage“ entstanden ist und in Zukunft noch entsteht. Und selbstverständlich präsentierte sich der Präsident so, wie man ihn kennt: als Kämpfernatur. Er hätte niemals daran gedacht, jemals mit dem SV Straelen vor 9000 Zuschauern in Essen, vor 6000 Zuschauern in Aachen oder vor 3000 Zuschauern in Oberhausen spielen zu können und gab als Parole den Wiederaufstieg in die Fußball-Regionalliga aus: „Und wenn nicht heute, dann morgen. Und wenn nicht morgen, dann übermorgen.“

Viel Applaus gab’s anschließend für einen gelungenen Rückblick in Wort und Bild auf 100 Jahre „SV 19 Straelen“ von Stadtarchivarin Claudia Kurfürst und einer Schülergruppe des Gymnasiums. Hans Dietze, eine echte Straelener Institution, wurde von Norbert Peters auf die Bühne gerufen. Schnell hatte der Ehrenvorsitzende seine Gehhilfe zur Seite gestellt, auf der grünen Couch seinen Platz gefunden, um mit kräftiger und klarer Stimme die Fragen des Moderators zu beantworten. Der 91-jährige Dietze gehört dem Verein seit 1956 an und war 21 Jahre – von 1984 bis 2005 – Vereinsvorsitzender, bis ihn Hermann Tecklenburg ablöste.

Anna Steffen, Gesang, und Lukas Langenstein, Gitarre, beide Schüler des Straelener Gymnasiums, lockerten mit ihren Auftritten den förmlichen Teil der Festlichkeit auf. Die Grußworte und Dankesreden der Ehrengäste hatten mehrere gemeinsame Nenner: Zum einen wurde die Wichtigkeit des Ehrenamtes im Sport hervorgehoben und gewürdigt. Immer wieder fiel der Name des grün-gelben Urgesteins Herbert Lampey, der sich seit 55 Jahren ununterbrochen und ausschließlich um die Straelener Fußballjugend kümmert. Auch wurde der organisierte Sport als wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens, zu dem Vereine einen unverzichtbaren Beitrag leisten, hervorgehoben.

Und es gab eine dritte Gemeinsamkeit: Die Redner und Gratulanten kamen nicht mit leeren Händen und hatten Schecks, Präsente, Urkunden oder Auszeichnungen im Gepäck. Darunter Werner Terheggen, Vorsitzender des Stadtsportverbandes Straelen, Jürgen Kreyer, Vizepräsident des Fußball-Verbandes Niederrhein, Holger Tripp, Ausschuss-Vorsitzender des Fußball-Kreises Kleve-Geldern, Lothar Wirtz, Vorstandsmitglied des Rheinischen Turnerbundes und Rudolf Brügge (Schwimmverband Rhein-Wupper). Straelens stellvertretende Bürgermeisterin Monika Lemmen überraschte den Präsidenten mit einem besonderen Geschenk: Hermann Tecklenburg ist ab sofort stolzer Besitzer einer Basecap in schrillen Farben, zusammengesetzt aus Stoffflicken, auf denen die Tugenden des SV Straelen verewigt sind.

Bernd Schaap, Leiter der Handball-Abteilung, setzte sich auf die grüne Couch. Norbert Peters bat Petra Theuring als Interviewpartnerin auf die Bühne. Ein Name, mit dem vermutlich nur Insider etwas anfangen können. Sie erzählte, dass sie mit ihrer Familie von Karlsruhe an den Niederrhein gezogen ist, ihre beiden Töchter und sich im Verein angemeldet hat und aktiv als Handball-Trainerin eingestiegen ist. Dass es sich bei Frau Theuring aus Karlsruhe um eine ehemalige Weltklasse-Tennisspielerin handelt, die unter ihrem Mädchennamen Begerow 1996 auf Position 29 der Weltrangliste geführt wurde, hatte bis dato sicher kaum einer der Besucher vermutet. „Petra und ihre beiden Töchter gehören im Gegensatz zu Hans Dietze zu unseren neuesten Mitgliedern. Wir wollten ein Kontrastprogramm bieten“, erklärte Schaap. Und lobte die prominente Sportlerin: „Ihr Einsatz ist beispiellos. Wir sind mehr als froh, sie in unserer Abteilung zu haben.“

Lutz Stermann, Vorsitzender des Kreissportbundes Kleve (KSB), überreichte Gisela Große für ihr sportliches und ehrenamtliches Wirken rund um die Abnahme des Sportabzeichens die höchste Auszeichnung, die seine Organisation zu vergeben hat: die „Willy-Probst-Plakette“.

Martin Geelen, Leiter der Karate-Abteilung, empfing aus den Händen von Hans Dietze die goldene Plakette des Karate-Dachverbandes Nordrhein-Westfalen. Verena Derstappen, lizensierte Übungsleiterin und Leiterin der Schwimmabteilung, freute sich über den Ehrenpreis des Schwimmverbandes Rhein-Wupper, den Verbandsvorsitzender Rudolf-Brügge überreichte. Als Beispiel gelungener Integration im Sport wurde Farhad Mohammadi auf die Bühne gebeten. Der 19-jährige Afghane berichtete in einwandfreiem Deutsch über seine Flucht vor fünf Jahren und über einen bestandenen Hauptschulabschluss. Er dankte seinem Arbeitgeber, der ihm in Straelen eine Lehre als kaufmännischer Angestellter im Baugewerbe ermöglicht hat und sprach die Hoffnung aus, in der neuen Saison im grün-gelben Trikot für die zweite Mannschaft auflaufen zu dürfen.

Zum Abschluss der gelungenen Gala gab’s noch eine Überraschung: Per Videobotschaft meldete sich Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg höchstpersönlich von der Frauenfußball-Weltmeisterschaft aus Montpellier. Und ließ die Gäste wissen, dass die beiden Auftaktsiege der deutschen Mannschaft nicht so wichtig sind, wie das Jubiläumsfest des SV Straelen. Anschließend gab Hermann Tecklenburg den „Sturm auf das Snack-Buffet“ frei. Ein besonderes Lob verdiente sich an diesem Abend die zweite Frauen-Mannschaft des SV Straelen, die in diesem Jahr den Aufstieg in die Handball-Landesliga geschafft hat. In ihren Aufstiegs-Trikots kümmerten sich die Spielerinnen und ihr Trainer Ludger „Lutty“ Janßen mit viel Charme um die Bewirtung der Gäste.

Einen Tag später begann die Geburtstagsparty in der Bofrost-Halle mit einem echten Knaller – dem Auftritt der Kölner Rheinveilchen. Das Tanzkorps gehört zu den erfolgsreichten Tanzgruppen im Kölner Karneval und sorgte dafür, dass die Straelener „Feierbiester“ für 20 Minuten nicht mehr aus dem Staunen herauskamen. Durch das Programm führte mit einer gelungenen Mischung aus Charme, Humor und Gelassenheit Straelens stellvertretende Bürgermeisterin Monika Lemmen. Dann hatte Deutschlands meistgebuchtes Bauchrednerpaar seinen großen Auftritt. Klaus (Rupprecht) und sein Affe namens Willi strapazierten die Lachmuskeln der Gäste aufs Äußere. Für den Rest des Abends hieß es dann: Bühne frei für „Treasure“. Die sechsköpfige Coverband vom Niederrhein begeisterte das Publikum bis weit nach Mitternacht.

Quelle: RP