Der Konkurrenzdruck beim Oberliga-Klassenprimus verschärft sich weiter +++ So musste Ex-Profikicker Jannik Stevens auf der Bank Platz nehmen, Kevin Weggen gar auf ungewohnter Position.

Es war eine besondere Szene, die all jenen zuteil wurde, die den Kickern des Oberligisten SV Straelen beim Jubeln in Folge des 3:1-Derbysiegs gegen den 1. FC Kleve zusahen. Auf der Haupttribüne hatte eine Phalanx von knapp 50 Blumenstädter Anhängern die Protagonisten herbeigerufen.

Diese folgten der Aufforderung nur allzu gerne und legten sich zur in deutschen Fußball-Stadien in Erfolgszeiten mittlerweile obligatorischen „Humba“ hin. Das Konzept dieser Choreographie lautet: Die Spieler setzen sich, um anschließend enthemmt mit (oder in diesem Fall vor) den Fans im Quadrat zu hüpfen. So hatten sich die Spieler versammelt, auch die Ersatzspieler. Nur einer versuchte, der Szenerie zu entfliehen: Jannik Stevens. Erst nach mehrmaligem Zurufen bewegte sich der Straelener Linksverteidiger auf die freudestrahlende Berufskollegengruppe zu.

Ein gewichtiger Grund dafür dürfte die Tatsache sein, dass Stevens zuvor 90 Minuten lang auf der Bank geschmort hatte. Und das durchaus überraschend: Der 27-Jährige war nach zwischenzeitlicher Verletzungspause fit und stand im Kader von Trainerin Inka Grings. Die aber sagt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Ich entscheide Woche für Woche, wen ich spielen lasse. Wer sich im Training anbietet, hat auch gute Chancen, sonntags zu spielen. Doch es sind immer mehr Spieler fit und mehr Spieler finden ihren Rhythmus.“ Für Stevens, der für den VfL Bochum sogar schon in der zweiten Bundesliga gespielt hat und bereits seit der Saison 2016/2017 an der Römerstraße aufläuft, erteilte Grings dem Japaner Tatsuya Fukushige das Startelfmandat. Ohnehin ist aus Mannschaftskreisen vernehmbar: Die Übungsleiterin trifft Personalentscheidungen mit viel Überzeugung, das Leistungsprinzip steht über allem. So auch im Fall von Leistungsträger Kevin Weggen. Ihn beorderte Grings auf die Position in der Innenverteidigung. Zuvor war der 26-Jährige auf der „Sechs“ unterwegs gewesen. Die Gründe liegen für seine Trainerin auf der Hand: „Kevin macht das richtig gut. Seine Übersicht ist klasse, die Diagonalbälle Bundesliga-Niveau“, erklärt sie unserer Redaktion. Zudem sei ihre Mannschaft im defensiven Zentrum nur mäßig besetzt. Die Spielintelligenz von Weggen helfe da ganz besonders. Doch es gibt noch weitere Beispiele, die offenbaren, wie breit der Kader des SVS aufgestellt ist. Schließlich muss Grings seit der Rückkehr von Spielführer Fabio-Daniel Simoes Ribeiro keine Verletzten mehr beklagen. Straelens Mittelfeldspieler Aleksandar Pranjes, im Sommer vom Mittelrheinligisten FC Wegberg-Beeck gekommen, durfte bisher erst eine Halbzeit lang in der Oberliga ran. Ansonsten hilft er in der Bezirksliga-Reserve der Grün-Gelben aus. Nachwuchsspieler Ronald Lombaya, dessen Wechsel von der Jugend des FC Bayern München nach Straelen für ein landesweites Medienecho gesorgt hat, musste gar neben einiger Einwechselungen unter Inka Grings mehrfach in der A-Junioren-Leistungsklasse Kleve-Geldern aushelfen. Klar ist also: Ob des gut bestückten SVS-Kaders sind Startelfeinsätze in gleichem Maße rar wie begehrt. Als Moderatorin dessen fungiert Inka Grings – mit Erfolg: Straelen führt die Tabelle der fünfthöchsten deutschen Spielklasse mit vier Punkten vor dem 1. FC Monheim an und fegt die Konkurrenz Woche um Woche vom Rasen. So wie zuletzt den 1. FC Kleve, der zu Beginn nur wenige Minuten auf Augenhöhe mitkickte, ehe Straelen im ersten Durchgang eiskalt drei Treffer besorgte. In der Folge reichte den Gastgebern der Schongang. Dennoch mahnt Grings, die seit dieser Woche Mitglied der Hall of Fame des DFB ist: „Wir müssen die Kirche im Dorf lassen. Wir sind auch noch nicht weg von den anderen Mannschaften, vier Punkte sind noch überhaupt nichts.“

Quelle: Fupa