Der SV Straelen serviert 2500 Zuschauern eine sportliche Delikatesse: Borussia Mönchengladbach schlägt den SCO Angers mit 2:1 (0:1).

Den Bundesliga-Stars einmal ganz nah sein. Autogramme jagen und Fotos schießen – dieser Wunsch ging am Samstag im Strae­lener Stadion an der Römerstraße für viele Fußballfreunde in Erfüllung. Stephan Dix, Abteilungsleiter des SV Straelen, hatte das Starensemble von Borussia Mönchengladbach für ein Testspiel gegen den französischen Erstligisten SCO Angers engagiert.

Nur noch wenige Minuten, dann beginnt das Spektakel. Die Ränge im Stadion sind mehr als gut gefüllt, die rund 2500 Fans warten gespannt auf den Einlauf der Mannschaften. Schiedsrichter Sven Waschitzke und seine beiden Assistenten warten am Platzeingang gelassen auf die Pro­­tagonisten. Beide Mannschaften reihen sich hinter den Unparteiischen auf. Die Spielerkarawane setzt sich mit den F-Jugendlichen des SV Strae­­len an der Hand in Bewegung. Bewunderndes Schweigen im weiten Stadionrund. Oscar Wendt führt die Fohlenelf als Kapitän aufs Spielfeld. Begrüßung der Zuschauer vom Anstoßkreis – wie auf Kommando bricht lauter Jubel aus.

Das Stadion verwandelt sich in einen schwarz-weiß-grünen Ort kollektiver Begeisterung. Nur noch die Seitenwahl und der Anpfiff, dann kann das Fußballfest beginnen. Die Verantwortlichen des SV Straelen haben im Vorfeld ganze Arbeit geleistet – die Großveranstaltung geht reibungslos über die Bühne. Anpfiff. Die Fohlen-Elf tritt mit den neuen Auswärtstrikots an. Hellblau sind sie und erinnern im Design an die Trikots, die die Borussen zu ihren Glanzzeiten in den 70er und 80er Jahren trugen. Das Spiel ist gerade fünf Minuten alt, als der Torschrei in den Hälsen der Zuschauer stecken bleibt. Fabian Johnson scheitert aus knapp zehn Metern gleich zweimal am französischen Keeper. Den hätte er machen müssen, darüber sind sich die Fans im Block einig.

Borussia hat das Spiel scheinbar unter Kontrolle. Die Anhänger beklatschen jede gute Szene der Elf von Trainer Marco Rose, selbst, als Denis Zakaria den Ball 20 Meter über den Kasten drischt. Ein Publikumsliebling ist schnell ausgemacht – Patrick Herrmann.

Schock in der 23. Minute. Der pfeilschnelle Wilfried Kanga wird im Rücken der hochstehenden Abwehr angespielt, Bewacher Tony Jantschke sieht nur seine Hacken – die Franzosen gehen in Führung. „Nix drum geben“, meint Ludger Niersmann vom Walbecker Borussia-Fanclub Plan B, „typisches Testspiel, habe ich schon bei der Aufstellung gemerkt.“

Die Franzosen wirken agiler und spritziger, imponieren in Sachen Schnelligkeit und bieten den Fohlen kaum eine Möglichkeit, sich in Szene zu setzen. Halbzeit. Die Leistung der Elf vom Niederrhein bringt die Seelen der Zuschauer nicht zum Brennen. Helmut Hetzel, bedingungsloser Borussen-Fan seit mehr als 30 Jahren, redet nicht lange drumherum: „Von meinen 14 Euro Eintritt habe ich erst 1,40 Euro verguckt.“

Anschauungsunterricht will sich offenbar auch die Mannschaft vom TSV Weeze bei der Borussia holen, die gemeinsam mit Trainer Marcel Zalewski das Spiel verfolgt. Nach der Pause schickt Marco Rose die Start­elf zurück aufs Feld. Ein unverändertes Bild auf dem Rasen: Borussia ist optisch überlegen, die Franzosen bleiben brandgefährlich.

Nach einer Stunde wird Stadionsprecher Norbert Peters beim Verlesen der Namen der französischen Einwechselspieler an seine Sprachgrenzen gebracht. Plötzlich verliert Angers die spielerische Linie, Gladbach gewinnt die Oberhand. Ein Eigentor (72.) von Abdoulaye Bamba sorgt für den Ausgleich. Den Schwung will Rose scheinbar nutzen und bringt Marcus Thuram, den Borussia Anfang der Woche für zehn Millionen Euro von EA Guingamp verpflichtet hat. Patrick Herrmann verwertet in der 76. Minute eine harte Hereingabe von Wendt zum 2:1-Endstand.

Die Spieler des SCO Angers verlassen zuerst den Platz und erhalten von den Zuschauern, die ein langes Spalier gebildet haben, anerkennenden Applaus und jede Menge Schulterklopfer, die sie mit einem Lächeln quittieren. Das eigentliche Fußballfest beginnt für viele Besucher erst jetzt. Die kleinen und großen Fans bevölkern den Rasen, besorgen sich Autogramme und machen Fotos mit den Spielern. Geduldig kommen die Borussen den Wünschen ihrer Anhänger nach, bis ein Wolkenbruch sie „erlöst“ und sie fluchtartig die Kabinen ansteuern.

Als Gewinner dürfen sich auch die wichtigen Männer vom SV Straelen fühlen. Vereinswirt Dieter Niersmans hat wie immer den Schalk im Nacken: „Es hat keiner gemeckert. Von mir aus können demnächst 5000 Zuschauer kommen. Das haben wir jetzt drauf.“ Stephan Dix ist erleichtert, dass alles problemlos geklappt hat und freut sich über ein ganz besonderes Dankeschön. Borussias Teammanager Christof Heimeroth hat dem Organisator und Fohlen-Fan ein eingerahmtes Bild mit Raute-Symbol und den Unterschriften des kompletten Borussen-Kaders mitgebracht.

Quelle: RP (Heinz Spütz)
Foto: Gottfried Evers