Zu Beginn der Regionalliga-Saison des SV Straelen gründete sich der Fanclub „Promillehügel“. Vier Mitglieder erzählen aus ihrem Leben als Edelfan.

Sie sind Woche für Woche dabei, jubeln und freuen sich wie die kleinen Kinder und würden am liebsten selber mitspielen. Bei enttäuschenden Vorstellungen kündigen sie lauthals die Beendigung ihrer Vereinstreue auf Lebzeit an, um am nächsten Spieltag ihre Liebsten in voller Fanmontur wieder kompromisslos anzufeuern – die Fans des SV Straelen.

Zwei dieser sogenannten Edelfans sind Andreas „Andy“ Feniuk und Andreas „Pommes“ Post, die durch den Fußball gute Freunde wurden. Der gebürtige Kempener Andy Feniuk kam vor 27 Jahren nach Straelen und wollte auf dem Sportplatz Leute kennenlernen. Was so harmlos anfing, sei heute fast schlimmer als eine Sucht geworden – die bedingungslose Leidenschaft für den SV Straelen. Seit gut 15 Jahren fährt er mit zu den Auswärtsspielen und fast genau so lang ist er Dauerkartenbesitzer. „Ich habe in der langen Zeit genau vier Spiele verpasst. Da konnte ich nicht, da wurden meine Kinder getauft“, sagt er voller Stolz. „Aber selbst da habe ich im Radio, Antenne Niederrhein, mitverfolgt, wie es beim SVS steht.“

Schöne Momente hat ihm die erste Mannschaft des SV Straelen reichlich beschert. Gerne erinnert er sich an das Pokalspiel gegen die Reserve von Bayer Leverkusen zurück: „Da saß der Calmund auf der Tribüne und wir haben 2:1 gewonnen. Ich meine, „Kuba“ Kakala hätte das entscheidende Tor geschossen. Da sah der Calli gar nicht glücklich aus.“

Aber es gab auch bittere Momente, die in seinem Gedächtnis haften geblieben sind: Etwa die 0:1-Niederlage vor fünf Jahren zu Hause gegen den Tabellenletzten, SV Budberg, die fast den Abstieg aus der Landesliga bedeutet hätte. „Ich war so was von wütend und enttäuscht, da habe ich das Trikot durch das Clubhaus gefeuert und geschworen, nicht mehr wiederzukommen.“ „Warte mal ab, in vier Tagen ist der wieder hier“, meinte Vereinswirt Dieter Niersmans. Am Donnerstag war Andy wieder da und konnte sein Trikot aus der obersten Reihe hinter einem Pokal mit der Leiter abholen. „Jeden Samstag freue ich mich wie Bolle, wenn es wieder los geht“, sagte er zum Schluss, „aber ich möchte an dieser Stelle auch mal meiner Frau ein Kompliment machen, dass sie das alles mitmacht.“

Als überzeugter Fan denkt „Andy“ Feniuk natürlich auch an Nachhaltigkeit. Sein 17-Jähriger Sohn Simon begleitet ihn mittlerweile zu jedem Spiel. „Bevor ich Fußball im Fernseher gucke, schaue ich mir lieber mit Papa die Spiele vom SV Straelen an. Live ist viel besser als Fernsehen.“

Ein weiterer Hardcore-Fan ist Andreas Post, von allen Andy oder Pommes genannt. „Pommes“ kommt aus Straelen und hat sich mit seiner Einschulung zum ersten Mal das grün-gelbe Trikot übergestreift. „Nach dem Bund habe ich bei der Ersten in der Landesliga gespielt“, erinnert er sich. Aber damals sei, wie er kritisch und zähneknirschend anmerkt, kein Platz für Straelener in der Ersten gewesen und so wurde er zum „Wandervogel“. Seinen größten Erfolg erzielte er dabei als Spielertrainer des VfL Pont – den Aufstieg in die Bezirksliga. „Bevor wir hier weitermachen, möchte ich, dass die Namen von Heinz Risch und Wilfried Rotthoff im Bericht erwähnt werden, unterbricht er, „die beiden haben Andy und mich in den letzten drei Jahren zu jedem Auswärtsspiel mitgenommen und sind selber Straelener Fans. Die waren auch damals im Vorstand von Pont. Dafür möchte ich hier Danke sagen.“

Auch „Pommes“ hat als Fan Höhen und Tiefen durchleben müssen. „Wenn ich an das Spiel zu Hause gegen Herkenrath vor ein paar Monaten denke, wird mir heute noch schlecht. 0:3 haben wir da verloren. Ich bin nach dem Spiel direkt nach Hause gegangen.“ Die schönste Zeit hatte er in der Spielzeit 2016/17, im Aufstiegsjahr in die Oberliga, erlebt. „Mit gut sechs Mann waren wir bei jedem Spiel dabei. Eigentlich immer die gleichen. Aber da waren die Spieler noch greifbar und sind nicht direkt nach dem Spiel nach Hause abgehauen. Das Tollste war, als wir dann zu deren Weihnachtsfeier im Clubhaus eingeladen wurden.“

Die neue Fangemeinschaft ist eng mit dem Namen Martin Hilpert verbunden. Der 35-Jährige kam 2015 nach Straelen und hat auf dem Sportplatz Kontakte gesucht. „Da habe ich Andy Feniuk kennengelernt. Und vor zwei Jahren hatten wir schon die Idee, einen Fanclub zu gründen.“ Ins Leben gerufen wurde der Fanclub „Promillehügel“ mit dem Aufstieg in die Regionalliga. „Ich bin da so richtig reingerutscht, als Khaled Daftari, Co-Trainer beim SVS, mich gefragt hatte, ob ich die „social media“ nicht mit Informationen versorgen wollte. Außerdem kümmere ich mich darum, dass der Fanbus voll wird und nehme über eine whatsapp-Gruppe Anmeldungen an.“

Apropos Fanbus: „Auf der Hinfahrt wird schon ordentlich gesungen, kräftig getrommelt und auch ein Bierchen genommen. Das gehört dazu und der Busfahrer macht das alles mit“, sind sich alle vier einig. Aber sie legen Wert darauf, dass keiner „besoffen“ zum Spiel kommt und die eigenen Fans und den ganzen Verein blamiert. „Wir haben noch nie Palaver mit anderen Fans gehabt, uns geht es nur um den Fußball. Es sind sogar schon Fan-Freundschaften mit anderen Vereinen entstanden“, betont „Andy“ Feniuk.

Dass der SV Straelen in der laufenden Saison nichts mit dem Abstieg zu tun haben wird, wäre ja wohl klar und völlig ausgeschlossen.

Einen gemeinsamen Traum haben die vier Fans: Erste Runde im DFB-Pokal, Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach. „Und dann hauen wir die hier an der Römerstraße weg“, beschließt „Pommes“ das Gespräch.