Der Tabellenführer steckt in der Mini-Krise. Eine Woche nach dem 1:2 beim FSV Duisburg erreichte die Mannschaft am Sonntag nur ein 1:1 gegen den ESC Rellinghausen. Sportdirektor Ilja Ludenberg ist nicht mehr dabei.

Vor zwei Wochen schien die „Mission Oberliga-Aufstieg“ schon in trockenen Tüchern. Doch der SV Straelen macht es noch einmal unnötig spannend. Eine Woche nach der 1:2-Niederlage gegen den FSV Duisburg enttäuschte die Mannschaft am Sonntag erneut und musste sich gegen den ESC Rellinghausen mit einem 1:1 (1:1) begnügen, das unter dem Strich sogar noch schmeichelhaft war. Acht Spieltage vor Saisonende beträgt der Vorsprung auf den Tabellendritten SV Sonsbeck damit „nur“ noch acht Punkte.

Ausgerechnet vor dem Endspurt brodelt es an der Römerstraße hinter den Kulissen. Sportdirektor Ilja Ludenberg hatte den Straelener Vorstandsmitgliedern am Freitagabend mitgeteilt, dass er mit sofortiger Wirkung zurücktritt. Hintergrund ist offenbar, dass der 48-Jährige, der sein Amt vor zwei Jahren angetreten und einen sportlichen Aufwärtstrend in die Wege geleitet hatte, nicht mehr in die Kaderplanung für die kommende Saison eingebunden war. „Die genauen Gründe für die Entscheidung von Herrn Ludenberg kenne ich noch nicht. Ich kann mir nur vorstellen, dass er so reagiert hat, weil sich ab sofort Trainer Stephan Houben um Vertragsverhandlungen kümmert“, sagte Präsident Hermann Tecklenburg, der gestern das Geschehen wie immer von der Tribüne aus verfolgte.Der Coach wiederum muss dabei einen Nebenschauplatz beackern, der Nerven kostet. „Wir stecken gerade in einer Phase, da kommen Spielerberater aus irgendwelchen Ecken. Da lässt sofort die Leistung nach. So etwas kenne ich noch aus meiner Zeit in Mönchengladbach“, meinte Houben während der Pressekonferenz. Er nannte zwar keine Namen. Doch zählte beispielsweise der niederländische Torjäger Randy Grens gestern zu den Akteuren im grünen Trikot, denen überhaupt nichts gelang.

Das Geschehen auf dem Platz ist schnell erzählt. Die Dinge schienen den erwarteten Lauf zu nehmen, als Norbert Peters in der zwölften Minute den Straelener Führungstreffer verkünden durfte. Das Straelener Urgestein hatte kurzfristig seine Sonntagsplanung über den Haufen geworfen, um als Stadionsprecher für Ilja Ludenberg in die Bresche springen zu können. „Meine Frau war zwar nicht gerade begeistert, aber es ging nun einmal nicht anders“, sagte Peters. Zunächst stellte er die elektronische Anzeigetafel auf 1:0, nachdem Thorsten Lippold mit einem platzierten Schuss ins kurze Eck getroffen hatte. Doch nur 180 Sekunden später fiel der Ausgleich. Verteidiger Sander Lenders brachte den jungen Japaner Kohei Yokozawa im Strafraum zu Fall – Schiedsrichter Robin Schuffelen entschied sofort auf Elfmeter. Patrick Dutschke ließ sich die große Chance zum Ausgleich nicht nehmen und SVS-Keeper Marian Gbur mit einem platzierten Schuss ins linke Eck keine Abwehrchance.

Anschließend schien der SV Straelen von allen guten Geistern verlassen, die ihn in der Vergangenheit an die Tabellenspitze geführt haben. Die Gäste aus Essen machten geschickt die Räume eng, lieferten eine hochkonzentrierte Vorstellung und besaßen die besseren Chancen. Ab und an herrschte ein heilloses Durcheinander im Straelener Strafraum. Niemand hätte sich beschweren können, wenn Lukas Reppmann oder Yokozawa den Tabellenneunten in Führung gebracht hätten.

Die Straelener Anhänger, die nach der Pause auf eine Besserung gehofft hatten, wurden enttäuscht. Der Spitzenreiter quälte sich geradezu durch die zweiten 45 Minuten und schaffte es einfach nicht, sich gegen einen starken Gegner auch nur eine ernsthafte Chance zu erarbeiten. Der negative Höhepunkt ereignete sich in der hektischen Schlussphase. Yodan Kim sah in der 85. Minute die Rote Karte, weil er ein englisches Schimpfwort benutzt hatte. Sein Kontrahent auf Essener Seite muss nur ein Spiel pausieren – für den eingewechselten Kevin Puhan gab’s Gelb-Rot.

Für den SV Straelen kommt’s jetzt darauf an, dass ganz schnell wieder Ruhe einkehrt. Denn die nächsten Aufgaben haben es in sich. Bereits am Donnerstagabend ist der Spitzenreiter auf Asche beim Aufsteiger Viktoria Buchholz gefordert, der im Kampf um den Klassenerhalt jeden Punkt benötigt. Am 23. April folgt das Heimspiel gegen den einstigen Titelaspiranten RW Oberhausen II, der völlig befreit aufspielen kann, weil die Mannschaft zum Saisonende zurückgezogen wird. Danach geht’s zum Tabellenzweiten VfL Rhede – der erhoffte Sprung in die Oberliga könnte noch einmal in Gefahr geraten. Wenigstens bleibt Stephan Houben der Fels in der Brandung: „Ich bin weit davon entfernt, nervös zu werden. Wir müssen jetzt einfach die nötigen Punkte einfahren, um das Schiff ins Ziel zu bringen.“

Quelle:RP