Die frü­he­re Na­tio­nal­spie­le­rin ist in ih­ren neu­en Job als Trai­ne­rin der Män­ner-Mann­schaft des SV Strae­len ge­star­tet.

Es ist 18.05 Uhr, als In­ka Grings auf dem Sport­platz an der Rö­mer­stra­ße Sport-Ge­schich­te schreibt. Sie ist die ers­te Frau, die in ei­ner der obers­ten vier Li­gen als Trai­ne­rin im Her­ren-Be­reich ar­bei­tet. Der SV Strae­len steckt in der Re­gio­nal­li­ga West mit­ten im Ab­stiegs­kampf. Nun steht sie auf dem Trai­nings­platz zur ers­ten Ein­heit.

„Jun­gens, et­was mehr Ag­gres­si­vi­tät. Nehmt euch die Zeit. Mehr Kon­zen­tra­ti­on. Lauft aus, aber ei­ne gro­ße Run­de.“ Sät­ze, wie man sie eben als Trai­ne­rin sagt. Am Sei­ten­rand steht Shun Tera­da. Der bes­te An­grei­fer des Teams fällt ver­let­zungs­be­dingt aus. „Für mich“, sagt der Ja­pa­ner, „ist es egal, ob Mann oder Frau – ihr Trai­ning ist gut. Wir ha­ben es bis­her ein­fach schlecht ge­macht. Mit ihr wird es bes­ser.“ Grings wird bei je­dem Schritt von ei­nem Ka­me­ra­team be­glei­tet, da­zu ein hal­bes Dut­zend Fo­to­gra­fen.

Ein paar Schrit­te wei­ter be­ob­ach­tet Her­mann Teck­len­burg, der Vor­stands­vor­sit­zen­de, die Übungs­ein­heit. „Ich bin froh, wenn der Tru­bel vor­bei ist. Es ist 2019, lasst uns über Fuß­ball re­den und nicht das Ge­schlecht“, sagt er. Vor ein paar Ta­gen erst war er mit Grings und sei­ner Frau, der deut­schen Fuß­ball-Na­tio­nal­trai­ne­rin Mar­ti­na Voss-Teck­len­burg, bei ei­nem Spiel des SV Strae­len. Er woll­te „der In­ka mal zei­gen, was das für ei­ne Trup­pe“ sei, er­zählt der Bau­un­ter­neh­mer. Da hät­ten al­le paar Mi­nu­ten Leu­te nach ei­nem Au­to­gramm von Voss-Teck­len­burg ge­fragt. „Die In­ka stand da­hin­ter wie be­stellt und nicht ab­ge­holt. Ich ha­be ge­sagt: In­ka, fühlt sich das nicht doof an, dass dich kei­ner be­ach­tet, ob­wohl du noch im­mer die bes­te deut­sche Tor­schüt­zin bist? Sie hat nur kurz mit den Schul­tern ge­zuckt und mir ent­geg­net: Her­mann, wir sind doch hier, um ein Fuß­ball­spiel zu se­hen. Da ist mir be­wusst ge­wor­den, wie un­fass­bar ehr­gei­zig sie ist.“

Die Sa­che mit ei­ner Frau als Trai­ne­rin ei­nes Män­ner-Teams – Teck­len­burg ver­steht die Auf­re­gung nicht. Er sei ja selbst Pio­nier in die­ser Sa­che ge­we­sen. Tat­säch­lich hat er vor zehn Jah­ren ge­mein­sam mit sei­ner Part­ne­rin den da­ma­li­gen Ver­bands­li­gis­ten zu­nächst ei­ne Klas­se hö­her ge­führt und dort dann ge­hal­ten. „Die Kom­bi­na­ti­on ist ver­nünf­tig. Und des­halb macht die In­ka den Job auch nicht al­lei­ne, son­dern zu­sam­men mit Tho­mas Drot­boom.“ Der hat al­ler­dings bis­her kei­ne Frei­ga­be vom TV Jahn Hies­feld.

Traut Teck­len­burg Grings den Job nicht al­lei­ne zu? „Se­hen Sie, es gibt in ei­nem Team viel­leicht drei, vier Män­ner, die er­reichst du als Frau nur schwer. Das liegt bei ei­ni­gen am kul­tu­rel­len Hin­ter­grund, an­de­re sind, sa­gen wir, et­was ein­fa­cher ge­strickt. Die brau­chen ei­ne deut­li­che An­sa­ge und neh­men die nur von ei­nem Mann ernst. Die In­ka braucht kei­nen Auf­pas­ser, die ist so gut, dass die fach­lich schon sehr, sehr viel drauf hat. Hier geht es ein­fach nur um Men­schen­füh­rung. Ich weiß lei­der, wie ei­ni­ge der Ty­pen ti­cken, was soll ich ihr al­so das Le­ben un­nö­tig schwer ma­chen. Sie hat­te auch ab­so­lut nichts da­ge­gen.“

Zur Wahr­heit ge­hört al­ler­dings auch, dass Dis­kus­sio­nen mit Teck­len­burg sel­ten er­geb­nis­of­fen sind. Der Mä­zen ist Ma­cher, Ge­stal­ter, Be­stim­mer beim SV Strae­len. Grings, er­zählt er, woll­te er ei­gent­lich zur neu­en Sai­son als Sport­li­che Lei­te­rin ein­stel­len. Doch dann ha­be sein Team im ver­gan­ge­nen Spiel wie­der 0:1 ver­lo­ren und er sei zum Han­deln ge­zwun­gen wor­den. Al­so ha­be er Grings an­ge­ru­fen und ihr ge­sagt, sie müs­se da jetzt ein­sprin­gen. „Wenn die Num­mer gut geht und sie in den nächs­ten Spie­len er­folg­reich ist, wür­de ich ei­nen Teu­fel tun und sie von dem Pos­ten neh­men. Ich hof­fe, sie nutzt ih­re Chan­ce. Ich glau­be fest dar­an. Sie hat das Po­ten­zi­al, ir­gend­wann als Trai­ne­rin in der Bun­des­li­ga zu ar­bei­ten.“

Ach ja – und da gibt es ja noch die­se pi­kan­te Ge­schich­te. Teck­len­burg lacht wie­der. „Al­te Ka­mel­len, aber las­sen Sie uns dar­über re­den. Kein The­ma.“ Al­so: Mar­ti­na Voss und In­ka Grings wa­ren ein­mal ein Paar. Die Be­zie­hung ging ir­gend­wann in die Brü­che, weil Grings ei­ne Af­fä­re mit Mit­spie­le­rin Lin­da Bre­so­nik hat­te. „Ja, ja, das war Gang und Gä­be bei der äl­te­ren Ge­ne­ra­ti­on von Fuß­bal­le­rin­nen. Aber die Mar­ti­na und die In­ka sind seit fast zehn Jah­ren wie­der bes­te Freun­din­nen, fast wie Ge­schwis­ter. Die ha­ben sich aus­ge­spro­chen und gut ist.“

Für Grings war schon früh klar, wo es für sie nach der ak­ti­ven Spie­ler­kar­rie­re hin­ge­hen soll. Nach­dem sie nach der Sai­son 2014 ih­re Lauf­bahn be­en­de­te, wur­de sie be­reits kur­ze Zeit spä­ter als neue Trai­ne­rin der Da­men­mann­schaft des MSV Duis­burg prä­sen­tiert. Dort sam­mel­te Grings ers­te Er­fah­run­gen als Übungs­lei­te­rin. Wäh­rend die­ser Zeit schloss sie auch ih­re Trai­ner­aus­bil­dung er­folg­reich ab. Grings hat seit je­her ein kla­res Ziel vor Au­gen. Sie möch­te sich als Trai­ne­rin im Män­ner­fuß­ball eta­blie­ren. Sie tut dies sehr be­dacht, nur nicht ei­nen Schritt vor dem an­de­ren wa­gen. Auch des­halb such­te sie ihr Glück bei der U17 von Vik­to­ria Köln. In ei­ner Ju­nio­ren­mann­schaft, wo das me­dia­le In­ter­es­se an ih­rer Per­son noch über­schau­bar war. Wo sie aber auch mit am­bi­tio­nier­ten, her­an­wach­sen­den Män­nern ar­bei­ten konn­te. Es war ein kal­ku­lier­ba­res Ri­si­ko, ihr gu­ter Ruf litt auch nicht dar­un­ter, dass sie nach ei­ner ent­täu­schen­den Sai­son und dem Ab­stieg aus der Ju­nio­ren-Bun­des­li­ga die Dom­städ­ter wie­der ver­ließ. Nun al­so der nächs­te Schritt in Rich­tung Pro­fi­be­reich im Her­ren­fuß­ball. Der SV Strae­len, bes­ser ge­sagt de­ren Mä­zen Her­mann Teck­len­burg, ruft.

In­fo: Frau­en, die Män­ner-Fuß­ball­teams trai­nie­ren

Co­rin­ne Di­a­cre Sie trai­nier­te von 2014 bis 2017 die Män­ner-Mann­schaft des fran­zö­si­schen Zweit­li­gis­ten Cler­mont Foot.

Im­ke Wüb­ben­horst Sie war die ers­te Trai­ne­rin ei­nes Män­ner-Ober­li­ga­teams, dem BV Clop­pen­burg.

Quelle: RP