Regionalligist SC Verl dominiert die Partie beim SV Straelen und verdirbt Europameisterin Inka Grings den Einstand als erste Trainerin in höheren Spielklassen.

Auch wenn beim SV Straelen zum ersten Mal eine Frau auf der Trainerbank sitzt, Fußball wird in der Regionalliga immer noch von elf Mann gegen elf Mann gespielt. Und entscheidend ist auf dem Platz, egal wie groß drumherum das Medieninteresse ist. Auf dem stumpfen und schwer bespielbaren Rasen waren die elf Mann des SC Verl am Samstag um so viel besser, dass sie mit einem hoch verdienten 2:0-Sieg einen Riesenschritt zum Klassenerhalt machten. Ihre Gastgeber ließen sie dabei nicht nur mit großen Sorgen um den Ligaverbleib zurück. Fraglicher denn je ist nach der verpatzten ersten Bewährungsprobe auch, ob Inka Grings den Durchbruch in der Männerdomäne Leistungsfußball schafft.

„Mich interessiert der ganze Rummel hier nicht, ich bin Trainerin“, sagte die 90-malige Nationalspielerin auf der Pressekonferenz. Die fand im prallvollen Clubheim vor einem Fernsehteam, dort noch nie gesehenen Agenturjournalisten und skeptischen Lokalreportern („Geändert hat sich noch nichts, wir schießen immer noch keine Tore“) statt. Die 40-Jährige lobte ihre Spieler („Sie haben aus ihren Möglichkeiten das Beste gemacht“) und den spielstarken, athletischen Gegner: „Verl war unter diesen Umständen klar besser.“

Mit den Umständen meinte die Ex-Europameisterin das Spiel in Unterzahl ab der 44. Minute. Kai Schwertfeger, wegen Meckerns verwarnt, sah für ein unsinniges Foul an Jan Lukas Liehr an der Mittellinie Gelbrot. Es sind diese Undiszipliniertheiten, die Grings in den Griff bekommen muss, wenn sie sich bei und mit ihren Männern durchsetzen will. Noch offensichtlicher wurde das, als Grings nach dem 2:0 den wirkungslosen Stürmer Randy Grens gegen Ahmad Jafari auswechselte und von Mittelfeldroutinier Kevin Weggen nach dem Motto „was soll das denn“ lautstark angemacht wurde. „Das regeln wir intern“, antwortete Grings auf Nachfrage.

In welch schwieriger Gemengelage die sympathisch, aufgeschlossen und kompetent rüberkommende Grings steckt, weil eine Trainerin im Männerfußball offenbar doch noch nicht so ganz normal ist, machte eine Frage der WDR-Fernsehreporterin noch auf dem Platz ausgerechnet an Weggen deutlich: „War es eine Ehre für Sie, unter einer neunzigfachen Nationalspielerin zu trainieren?“

Rino Capretti („Wir haben es leider versäumt, unsere Möglichkeiten nach den vielen Ballgewinnen sauberer und zum vorentscheidenden dritten Tor auszuspielen“) konnte sich zwar auf seiner Trainerbank noch nicht entspannt zurücklehnen, dafür aber auf der Pressekonferenz. „Das war kein einfaches Spiel für uns, denn jeder Trainerwechsel sorgt für frischen Wind und neue Motivation“, erklärte der Verler Coach, warum er auf die „Analyse der letzten Straelener Spiele verzichtet“ und sich auf das eigene Vorgehen konzentriert hätte.

„Wir wollten anders als beim 1:3 in Bonn viel Ballbesitz haben und unsere Aktionen mit vielen Pässen umsetzen, und das haben die Jungs gut gemacht.“ Tatsächlich dominierten die Schwarz-Weißen schon in der 1. Halbzeit, obwohl sie im Angriff kein Risiko gingen und deshalb nur zu zwei Möglichkeiten von Matthias Haeder (16., 45.) kamen.

Nach dem Wechsel und in Überzahl mehrten sich zwar die Chancen, doch weil Abschluss und letzter Pass zu wünschen übrigließen (Capretti) reichte es nur zu den Treffern von Julian Stöckner (50.) und Janik Schröder (54.). Allerdings ließen die Verler keine Möglichkeiten für die Gastgeber zu, denn die Viererkette um Kapitän Stöckner („Das war wieder der richtige SC Verl“) stand sicher und Jannik Schröder sowie der für den gesperrten Ron Schallenberg aufgebotene Jan-Lukas Liehr arbeiteten im defensiven Mittelfeld effektiv.

Schiedsrichter: Marc Jäger (SG 92) – Zuschauer: 500
Tore: 0:1 Julian Stöckner (50.), 0:2 Jannik Schröder (55.)
Platzverweise: Gelb-Rot gegen Kai Schwertfeger (44./SV Straelen)

Quelle: Fupa