Im ersten Pflichtspiel  des neuen Jahres steigert sich der Gastgeber nach dem Seitenwechsel. Verteidiger Patrick Ellguth beschert seiner Mannschaft immerhin einen Punkt.

In einem Punkt waren sich Straelens Trainer Marcus John und sein Wuppertaler Pendant Adrian Alipour auf der Pressekonferenz nach dem Spiel einig: Die 940 Zuschauer hatten in den 90 Minuten zuvor keinen fußballerischen Leckerbissen erlebt. „Speziell in der ersten Halbzeit war das ein Spiel auf ganz schlechtem Niveau, das hat mit Fußball kaum etwas zu tun gehabt“, fand Gästetrainer Alipour deutliche Worte. In der Tat brauchten die beiden Mannschaften auf dem Feld eine knappe Stunde, bis die Partie Fahrt aufnahm.

Die Anfangsphase wurde von beiden Seiten zwar kämpferisch angegangen, doch hatte man stets den Eindruck, dass die Spieler mit angezogener Handbremse agierten. Die Gäste probierten es in den ersten Minuten häufig mit langen Bällen, diese brachten jedoch nicht den gewünschten Erfolg. Das lag in erster Linie am Defensiv-Duo Adli Lachheb und Patrick Ellguth, die immer wieder geschickt ihren Körper einsetzten und den Wuppertaler Stürmern so das Leben schwer machten. Und wenn sich Stürmer Viktor Maier dann doch mal durchsetzen konnte, war Schlussmann David Buchholz zur Stelle (21.).

Dass kaum Spielfluss aufkam, führten beide Trainer auf den Zustand des Rasens zurück. Marcus John sah sich gar dazu genötigt, sich dafür beim Gast zu entschuldigen, nachdem sich Alipour über den „Acker“ beklagt hatte. „Wir wollen auch lieber Fußball spielen und nicht so ein Gekicke sehen, wie wir das auch gemacht haben“, sagte John. In Halbzeit eins wurde allerdings wenig gespielt, es waren meist individuelle Fehler, die zu gefährlichen Situationen hätten führen können. Nach einem leichtfertigen Ballverlust bügelte Lachheb seine eigene Nachlässigkeit kurz vor der Pause aber selbst wieder aus.

Wie es bei solchen Spielen häufiger der Fall ist, benötigte es nach dem Seitenwechsel Standardsituationen, um Torgefahr heraufzubeschwören. Bei einem Wuppertaler Freistoß bewies Buchholz seine Klasse und fischte den Ball noch aus dem Toreck (49.). Nach einer guten Stunde sah der erfahrene Schlussmann dann aber nicht gut aus, als WSV-Verteidiger Gino Windmüller nach einer Ecke an den Ball kam und selbigen in das Straelener Tor beförderte (63.).

Doch dieser Treffer war der Startschuss einer durchaus aufregenden Schlussphase, die die Zuschauer so nach dem bisherigen Spielverlauf nicht erwarten durften. Shun Terada, über weite Strecken unauffällig, nutzte nach einem langen Ball seine Schnelligkeit und enteilte den Verteidigern der Gäste. Windmüller blieb fünf Minuten nach seinem Führungstreffer keine andere Wahl, als Terada noch vor dem Strafraum zu Fall zu bringen, wollte er den Gegentreffer noch verhindern. Die Konsequenz: Rot für den Wuppertaler.

In Überzahl agierten die Gastgeber mutiger und druckvoller, doch blieben sie aus dem Spiel zunächst zu harmlos. So musste erneut ein Standard herhalten. Nach einem Freistoß wurde der Wuppertaler Schlussmann Sebastian Wickl im Zweikampf angegangen, für den Unparteiischen Alexander Ernst aber nicht strafwürdig. Als die Verteidiger den Ball nicht klären konnten, war Patrick Ellguth zur Stelle und markierte den Ausgleich (75.). Zwei Minuten später wäre die Geschichte des Spiels beinahe perfekt gewesen. Kurz vor dem Ausgleich hatte John den „verlorenen Sohn“ und Rückkehrer Randy Grens eingewechselt, der nun alleine auf Wickl zulief und die Chance, das Spiel zu drehen, auf dem Fuß hatte. Doch der Wuppertaler behielt die Nerven und Grens verpasste es, den Straelener Anhang mit dem Siegtreffer zu beschenken.

Der im Sommer scheidende Sportliche Leiter Stephan Houben sprach Marcus John im Anschluss an die Pressekonferenz nochmals sein Vertrauen aus. „Mit Marcus in der Doppelfunktion sind wir da sehr gut aufgestellt. Er wird mit dem Team noch für die eine oder andere Feierlichkeit sorgen“, sagte er. Bis zum Sommer will sich Houben aber weiterhin voll reinhängen und gemeinsam mit dem Trainer die Kaderplanung für die kommende Saison in Angriff nehmen.

Dabei merkte er an, dass der SV Straelen in der Öffentlichkeit zu oft nur auf das Finanzielle beschränkt werde. „Das wird der Sache einfach nicht gerecht. Hier gibt es Leute, die berufstätig sind und neben dem Job noch die Regionalliga abarbeiten. Das gibt es in der Form kein zweites Mal in der Liga.“ Er verwies auf die aktuelle Tabelle, in der die Straelener lediglich drei Punkte hinter Rot-Weiss Essen stehen. „Und die haben einen deutlich höheren Etat“, sagte Houben.

Quelle: RP
Bild: Andrea Kerpen