SVS-Trainer Marcus John  geht nicht davon aus, dass die Spielstärke der Wuppertaler durch den Umbruch nach der abgewendeten Insolvenz gelitten hat. SVS-Kapitän Kevin Weggen fällt aus, der Einsatz von Torwart David Buchholz ist fraglich.

Der Glanz früherer Jahre, als der Wuppertaler SV von 1972 bis 1975 in der Bundesliga spielte und Günter Pröpper Tore wie am Fließband schoss, ist längst verblasst. Und um ein Haar wären in der Winterpause die Lichter beim WSV ganz ausgegangen.

Zu Beginn des neuen Jahres wurde öffentlich bekannt, dass nach der SG Wattenscheid 09 ein weiterer prominenter Regionalligist finanziell in arge Schieflage geraten war. Dem Wuppertaler SV drohte die Insolvenz. Bereits Ende Januar konnte der Verein vermelden, dass das Finanzloch von mehr als einer Viertelmillionen Euro gestopft werden konnte. Wirtschaftlich erhielt der Verein eine Fortsetzungsprognose für die laufende Saison – der „rot-blaue Patient“ hat vorerst wieder festen Boden unter den Füßen.

Die abgewendete Insolvenz riss jedoch eine neues, ein sportliches Loch auf und ging zu Lasten der Mannschaft. Der Verein bot den Spielern an, ablösefrei gehen zu können. Auf diese Weise sollten Spieler von der Gehaltsliste gestrichen und fortlaufende Kosten eingespart werden.

Als namhafteste Spieler machten Christopher Kramer und Jonas Erwig-Drüpper von diesem „Angebot“ gebrauch. Beide, Kramer und Drüpper, waren in der laufenden Saison Garanten für Wuppertaler Erfolge. Kramer als Top-Törjäger der Liga und Drüpper als bester Vorlagengeber. Abgänge, die dem WSV aus sportlicher Sicht sehr wehgetan haben und die trotz vier Neuverpflichtungen nicht leicht zu kompensieren sein werden. „Natürlich hat die Mannschaft einen Qualitätsverlust erlitten. Aber wir haben mit einer sehr hohen Intensität trainiert und stellen eine schlagfertige Truppe. Die finanzielle Krise hat die Mannschaft enger zusammengeschweißt“, so WSV-Trainer Adrian Alipour.

Die Gäste von der Wupper hatten externe Sponsoren gefunden, die der Mannschaft ein Trainingslager im türkischen Belek ermöglichten. WSV-Coach Alipour hat die Zeit genutzt, sich mit der neu zusammengestellten Mannschaft intensiv auf die Rückrunde vorzubereiten. Die erste Ernte seiner Arbeit konnte er bereits am letzten Sonntag mit dem Einzug ins Halbfinale des Niederrheinpokals einfahren. Beim Oberliga-Primus VfB Homberg gewann die Mannschaft durch ein frühes Tor von Kevin Hagemann knapp mit 1:0. Bei dieser Partie ließ WSV-Trainer Alipour mit Linksverteidiger Mario Andric und Stürmer Viktor Meier zwei von vier Neuzugängen in der Startelf auflaufen.

Einen Kampf gegen den finanziellen Kollaps hatte der SV Straelen Gott sei Dank nicht zu bestreiten. Ganz im Gegenteil: In der Winterpause wurde nochmal tief in die Tasche gegriffen und weitere Spieler unter Vertrag genommen. Als Königstransfer darf da die Verpflichtung von Kai Schwertfeger genannt werden, der vom Drittligisten Bayer Uerdingen in die Blumenstadt wechselte. Weiter werden die Abwehrspieler Babacar M‘Bengue (27) mit Drittligaerfahrung und Jasper Löffelsend (21) vom Ligakonkurrenten TV Herkenrath, sowie der vorübergehend abhandengekommenen Angreifer Randy Grens den Kader verstärken.

Und darüber hinaus wurden beim SV Straelen wichtige zukunftsweisende Weichen gestellt. Der Vertrag von Marcus John als SVS-Trainer wurde nicht nur verlängert. Ab der neuen Saison wird er zusätzlich das Amt des sportlichen Leiters bekleiden und Stefan Houben in dieser Funktion ablösen.

Personell sieht es nicht ganz so rosig beim Gastgeber aus: Kopf und Motor der Mannschaft, Kevin Weggen, fällt wegen eines Ermüdungsbruchs im Mittelfuß noch weitere drei Wochen aus. Ein Schlüsselbeinbruch wird Denis Sitter noch länger aus dem Rennen werfen und hinter dem Einsatz von Torhüter David Buchholz steht ein Fragezeichen. Er zog sich beim letzten Testspiel gegen Teutonia St. Tönis eine Oberschenkelverletzung zu.

Als wahrscheinlich gilt, dass Schwertfeger die Position von Weggen als Abräumer vor der Abwehr übernehmen wird. John sprach davon, dass sich Löffelsend und Meguru Ogadaki in der Winterpause für einen Einsatz in der Startelf empfohlen hätten und nicht zwingend davon auszugehen sei, dass der SV Straelen mit der gewohnten Elf der letzten Spiele auflaufen wird.

Mit Veränderungen in der taktischen Ausrichtung sei nicht zu rechnen: „Die Zeit für taktische Raffinessen war in der Winterpause zu kurz“, so John. Also darf man einen SV Straelen erwarten, der aus einer kompakt stehenden Abwehr heraus mit schnellem Umschaltspiel agieren wird.

Dass die Gäste aus Wuppertal durch einige Abgänge in der Winterpause an spielerischer Qualität verloren haben, glaubt John eher nicht: „Klar haben gute Spieler den Verein verlassen, aber sie haben zum Beispiel mit Viktor Meier vom SV Verl neue Spieler verpflichtet. Der WSV wird in der Breite vermutlich nicht mehr so stark aufgestellt sein, aber die ersten Zwölf sind nach wie vor mehr als ligatauglich.“

Sein Gegenüber Adrian Alipour fand ebenfalls lobende Worte für den kommenden Gegner. „Der SV Straelen ist ein starker Aufsteiger, der die Klasse ganz sicher halten wird. Den Matchplan werde ich nicht verraten, aber ich habe neben den Stärken auch Schwächen bei der Mannschaft erkannt. Wir haben alle Mann an Bord und fahren mit einem guten Gefühl nach Straelen“, meinte der Gästetrainer.

Quelle: RP