Fußball-Regionalligist untermauert seine Ausnahmestellung in der Region auch in den Testspielen. Beim Lokalrivalen 1. FC Kleve gab’s einen 5:0-Erfolg. Verpflichtung von Babacar M’Bengue fast perfekt, Gespräche mit Selman Sevinc.

Der Fußball schreibt immer neue Geschichten. So haben die Regionalliga-Kicker des SV Straelen am Samstag das wahrscheinlich kurioseste „Testspiel“ in der inzwischen 100-jährigen Vereinsgeschichte absolviert. Schuld daran ist die eisige Kälte. Der Kunstrasenplatz am Rande der Gelsenkirchener Arena, auf dem die Grün-Gelben ursprünglich gegen die „U 23“-Auswahl des FC Schalke 04 antreten sollten, hatte trotz Rasenheizung die Konsistenz einer Betonplatte. So wichen beide Mannschaften kurzerhand in eine benachbarte Halle aus, um sich wenigstens etwas dem Budenzauber widmen zu können. „Wir haben Sieben gegen Sieben gespielt und dabei ständig gewechselt. Insgesamt gab’s zehn fünfminütige Spiele. Das ist zwar ungewöhnlich, hat aber viel Spaß gemacht“, sagte Straelens Co-Trainer Khaled Daftari. Am Rande wurden Strichlisten geführt; Endstand 6:6.

Richtigen Fußball gab’s dann am Sonntag. Auf dem Kunstrasenplatz am Klever Stadion am Bresserberg konnte 90 Minuten lang gespielt werden. Beim Nordkreis-Rivalen 1. FC Kleve demonstrierte der SV Straelen erneut seine sportliche Ausnahmestellung in der Region, die er innerhalb kurzer Zeit erlangt hat. Wie schon eine Woche zuvor bei der Spvgg. Schonnebeck landeten die Grün-Gelben einen weiteren 5:0 (2:0)-Erfolg bei einem Oberligisten – das nennt man dann wohl standesgemäß.

Und bei aller Überlegenheit gewannen Straelens Sportchef Marcus John und seine Trainerkollegen auch noch einige wertvolle Erkenntnisse. Beispiele: Die „Doppel-Sechs“ im Mittelfeld ist auch ohne Kapitän Kevin Weggen, der wegen eines Ermüdungsbruchs im Fuß wohl noch längere Zeit pausieren muss, eine sichere Bank. Ex-Profi Kai Schwertfeger, der in der vergangenen Woche einen Vertrag unterzeichnet hat, harmoniert bereits prächtig mit Fabio Ribeiro. Die Innenverteidigung funktioniert auch dann, falls Patrick Ellguth oder Adli Lachheb einmal ausfallen sollten. Gastspieler Babacar M’Bengue kam zu Beginn der zweiten Hälfte für Lachheb in die Partie und fügte sich sofort nahtlos ein. Dem Vernehmen nach ist sich der SV Straelen mit dem früheren Regionalliga-Spieler des Wuppertaler SV bereits einig. Lediglich Kleinigkeiten müssen mit einem Schweizer Sechstligisten, bei dem sich der Deutsch-Senegalese zuletzt fitgehalten hat, noch geklärt werden.

Nächster Pluspunkt: Björn Kluft kann offenbar auch Spielmacher. Am Bresserberg führte der etatmäßige Rechtsaußen jedenfalls gekonnt Regie und setzte mehrfach den pfeilschnellen Shun Terada in Szene, mit dem die Klever Abwehr ihre liebe Mühe und Not hatte. Und die Planungen des Regionalliga-Aufsteigers sind mit den Verpflichtungen von Rechtsverteidiger Jasper Löffelsend, Mittelfeld-Abräumer Kai Schwertfeger und wahrscheinlich auch Babacar M’Bengue noch nicht abgeschlossen.

Am Rande des Testspiels unterhielt sich Straelens Präsident Hermann Tecklenburg angeregt mit einem jungen Mann namens Selman Sevinc. Der 23-jährige Niederländer ist in Venlo aufgewachsen, hat bei der dortigen Voetbal-Vereniging das Fußballspielen gelernt und war zuletzt in der Türkei im Einsatz. Er ist vielfältig im Mittelfeld einsetzbar und wird bei den Grün-Gelben als weiterer Neuzugang gehandelt.

Mit der Vertragsverlängerung von Trainer Marcus John wird sich Tecklenburg möglicherweise noch etwas Zeit lassen. „Ich bin momentan beruflich stark eingespannt und werde die Gespräche führen, wenn ich Zeit dazu habe“, ließ sich der Präsident in Kleve noch nicht allzu tief in die Karten schauen.

Ach ja, fünf Tore – darunter einige recht sehenswerte – hat der SV Straelen am Bresserberg auch noch geschossen. Nach einer Viertelstunde läutete Fabio Ribeiro mit einem platzierten Distanzschuss den Torreigen ein. Mit Unterstützung der Unterkante der Latte bugsierte Patrick Ellguth einen Kopfball ins Klever Tor (32.). Nach dem Seitenwechsel glänzte Shun Terada als Vorbereiter und Vollstrecker (46. Denis Sitter, 59.). Zehn Minuten vor dem Abpfiff war dann auch noch Jasper Löffelsend mit einem abgefälschten Schuss erstmals im neuen Trikot erfolgreich.

Quelle: RP
Foto: Evers