Oberligist präsentiert hochkarätige Verstärkungen für die Offensive. Bis zu neun Trainingseinheiten wöchentlich.

Hermann Tecklenburg hat den Gästen auf der Jubiläums-Gala des SV Straelen offenbar nicht zu viel versprochen. „Wir wollen in die Regionalliga zurück. Und wenn nicht heute, dann morgen. Und wenn nicht morgen, dann übermorgen“, hatte der Präsident zum 100-Jährigen des Vereins angekündigt. Jetzt lassen die Grün-Gelben den markigen Worten die entsprechenden Taten folgen.

Nach dem Abstieg aus der Vierten Liga, der erst am letzten Spieltag durch eine 0:3-Niederlage bei der SG Wattenscheid 09 besiegelt worden war, nimmt der Verein von der Römerstraße die sofortige Rückkehr in Angriff. Und hat gar kein Problem damit, als Topfavorit in die neue Saison zu starten, die am Sonntag, 4. August, eröffnet wird.

Nach RP-Informationen ist sich der Oberligisten mit folgenden Neuzugängen einig, die vor allem für ein Merkmal stehen: herzerfrischenden Offensivfußball. Trainerin Inka Grings und Sportlicher Leiter Stephan Houben, der sich am Montag nicht zu den Neuzugängen äußern wollte, setzen den Hebel damit an der Schwachstelle an, die in der vergangenen Spielzeit letztlich den Abstieg verursacht hatte. Die Zeiten, in denen der schnelle Japaner Shun Terada im Angriff mehr oder weniger auf sich allein gestellt war, gehören jedenfalls der Vergangenheit an.

Marvin Ellmann: Der Name des gebürtigen Duisburgers war bereits im vergangenen Jahr immer wieder an der Römerstraße gefallen. Es ist zwar reine Spekulation. Aber wahrscheinlich wäre der SV Straelen nicht abgestiegen, wenn man den „Knipser“ schon im vergangenen Sommer geholt hätte. In der Saison 2017/’18 hatte der inzwischen 31-Jährige mit 32 Treffern in 33 Oberligaspielen für Schwarz-Weiß Essen noch einmal sein Markenzeichen untermauert. Ellmann, der in seiner Vita unter anderen auch Zweitliga-Einsätze für Rot-Weiß Oberhausen vorweisen kann, mag mitunter etwas schwerfällig wirken. Aber er ist eine echte „Tormaschine“. Ist der Ball erst einmal im Strafraum bei Marvin Ellmann gelandet, wird’s für den Gegner meistens ganz eng. Er ist der perfekte Stürmer für eine Mannschaft, die es in der Regel mit defensiv eingestellten Gegnern zu tun bekommt – deshalb dürfte sich diese Verpflichtung als Glücksgriff für die Grün-Gelben erweisen.

Aleksandar Pranjes: Der 28-Jährige bezeichnet Arjen Robben als sein Vorbild. Und in der Tat gibt’s einige Parallelen zu dem ehemaligen Star des FC Bayern München, der jahrelang die Bundesliga-Abwehrreihen aufgemischt hat. Pranjes, der vom Mittelrheinligisten FC Wegberg-Beeck kommen soll, ist ein pfeilschneller Rechtsaußen mit Vorliebe für Eins-gegen-Eins-Situationen. Und ebenso wie der Weltstar zieht der Flügelflitzer, der seine fußballerische Ausbildung in der Jugend von Borussia Mönchengladbach genossen hat, gerne nach innen, um mit seinem starken linken Fuß abzuschließen. Pranjes könnte mit Linksaußen Aram Abdelkarim die Flügelzange bilden, die das Sturmduo Ellmann und Shun Terada in Szene setzt – das wäre schon einmal ein Quartett der Extraklasse.

Ryo Terada: Der torgefährliche Mittelfeldspieler soll mit Sicherheit nicht nur deshalb geholt werden, um seinen ein Jahr älteren Bruder Shun zum Bleiben zu bewegen. Der 24-Jährige ist beidfüßig veranlagt und mit einer glänzenden Schusstechnik ausgestattet. Seine Oberliga-Tauglichkeit hat er in der abgelaufenen Saison beim künftigen Straelener Liga-Rivalen TSV Meerbusch mehr als eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Zehn Treffer in 31 Meisterschaftsspielen sind deutlicher Beleg für die Offensivqualitäten des Mittelfeldakteurs.

Fatmir Ferati: Noch ein Torjäger, der mit dem SV Straelen kurz vor einer Einigung stehen soll. Der 28-jährige Albaner, der vor gut zehn Jahren für den Nachwuchs des FC Schalke 04 in der A-Junioren-Bundesliga auf Torejagd gegangen ist, hat in der abgelaufenen Saison den FC Essen-Kray mit 29 Treffern in 30 Meisterschaftsspielen zurück in die Oberliga geschossen. Zuvor hatte er wegen seiner technischen Fähigkeiten und Torgefährlichkeit jahrelang zu den Publikumslieblingen beim SC Westfalia Herne gehört. Zwar hat sich auch Oberliga-Absteiger FSV Duisburg um Ferati bemüht – doch dieser sieht die größeren sportlichen Perspektiven offenkundig an der Straelener Römerstraße.

Zur Defensivabteilung des SV Straelen: David Buchholz hat so etwas wie das große Los gezogen und ist als dritter Torhüter zum Zweitliga-Aufsteiger VfL Osnabrück gewechselt. Im Gegenzug haben sich die Grün-Gelben ein Riesentalent von einem niederländischen Profi­club gesichert. Der 23 Jahre junge Jan Bekkema kommt vom SC Heerenveen, der in der abgelaufenen Spielzeit Platz elf in der Eredivisie belegte. Dort saß der talentierte Keeper allerdings nur auf der Bank – ab sofort möchte Bekkema in der höchsten deutschen Amateurklasse Spielpraxis sammeln und sich für höhere Aufgaben empfehlen.

Im defensiven Mittelfeld kann der Absteiger auch in Zukunft auf Kapitän Fabio Ribeiro und Kevin Weggen zählen, die in der Regionalliga zu den absoluten Leistungsträgern zählten. Als linker Verteidiger ist Jannik Stevens weiterhin eine Bank. Für die rechte Seite hat sich der Verein nach dem Weggang des Südkoreaners Yodan Kim die Dienste von Ole Päffgen aus Ratingen gesichert. Etwas Kopfzerbrechen bereitet den Verantwortlichen allenfalls noch die Innenverteidigung. Denn die Zukunft des ehemaligen Zweitligaspielers Adli Lachheb und von Patrick Ellguth ist noch offen, während sich Babacar M’Bengue bereits in Richtung des Regionalligisten Bonner SC verabschiedet hat. Doch auch für die Zentrale dürfte der SV Strae­len gut aufgestellt sein, zumal auch Winterneuzugang Kai Schwertfeger auf dieser Position eingesetzt werden kann.

Wie professionell die Grün-Gelben an die „Mission Wiederaufstieg“ herangehen, verdeutlicht auch ein Blick auf den Trainingsplan. Inka Grings, die ihren Sommerurlaub unter anderen damit verbracht hat, um bei der Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Frankreich die Gegner der deutschen Mannschaft zu beobachten, hat in der Vorbereitung wöchentlich bis zu neun Trainingseinheiten angesetzt – darunter drei Vormittagseinheiten für diejenigen Spieler, die nicht anderweitig beruflich im Einsatz sind. Außerdem soll ihr Assistenstab, zu dem aktuell die Co-Trainer Friedel Baumann und Stefan Post sowie Torwart-Trainer Ralf Ring gehören, eventuell noch um einen speziellen Athletik-Coach erweitert werden.

Die Zeichen an der Römerstraße stehen also auf Angriff. Die Konkurrenz hat zwar ebenfalls nicht geschlafen. Speziell dem 1. FC Bocholt trauen Experten in der kommenden Oberliga-Saison einiges zu. Doch die Chancen stehen nicht schlecht, dass die Straelener Mannschaft die eingangs erwähnte Ankündigung von Hermann Tecklenburg in der nächsten Saison in die Tat umsetzen und den Abstieg umgehend reparieren kann.

Quelle: Fupa