In der A2-Jugend des SV Straelen lässt sich ein gelungener Fall von Integration erleben

Die A2-Jugendfußballer des SV Straelen haben seit einigen Wochen neue Spieler an Bord. Zwölf Flüchtlinge haben die Mannschaft verstärkt. Sie sorgen nicht nur für Spaß, sondern auch für fußballerische Akzente. Integration funktioniert.
Dass Straelen als Grenzstadt internationales Flair atmet, ist bekannt. Doch seit kurzem herrscht auch beim SV Straelen Multi-Kulti – und zwar bei den Fußballern der A2-Jugend-Mannschaft. Denn zwölf Flüchtlinge aus acht Nationen konnten erfolgreich ins Team integriert werden. Somit sind nun Spieler aus insgesamt zehn Ländern zu einer Mannschaft vereint. SVS-Vorsitzender Hermann Tecklenburg, der die A-Junioren-Reserve gemeinsam mit Peter Kölsch trainiert, ist voll des Lobes. „Das ist schon echt lustig. Wir haben jetzt noch fünf deutsche Spieler bei uns im Team. Der Vorteil ist, dass wir alle viel dazulernen“, sagt er. „Und es sind jetzt auch deutlich mehr Spieler beim wöchentlichen Training da.“Seit Dezember 2016 trainieren die Neuankömmlinge mit der Mannschaft. „Das Ganze ist durch einen Besuch einer Vertreterin des Deutschen Roten Kreuzes entstanden. Sie hat mich im November gefragt, ob es möglich sei, dass die Flüchtlinge bei uns im Verein Fußballspielen können“, führt Tecklenburg aus. Und da der Straelener Chef keine Hindernisse im Weg stehen sah, hatten die Flüchtlinge auch schnell eine sportliche Heimat gefunden. Seit Januar spielen sie im Team mit – auch bei Meisterschaftsspielen in der Jugend-Kreisklasse. Momentan liege die Elf mit ihrem sechsten Tabellenplatz auch voll im Soll, wie Tecklenburg findet. Großen Anteil an den Ergebnissen haben auch die neuen Spieler. Der 17-jährige Mamadu Sall zum Beispiel. Er kam im vergangenen Jahr aus Guinea nach Deutschland und wohnt mit den anderen zusammen im Landheim Herongen. Mamadu wirkt zwar etwas schüchtern, sorgt dafür aber aus sportlicher Sicht für mächtig Dampf. Auf der Außenbahn versorgt er seine Teamkollegen derzeit mit genauen Flanken. Auch im Spiel gegen den TSV Nieukerk, das die Straelener mit 6:0 gewannen, bereitete Mamadu einige Tore vor. Auch im Spiel gegen Grün-Weiß Vernum, das Straelen mit 4:1 gewann, standen wieder viele Flüchtlinge im Kader. Der 17-jährige Afghane Fahrhad Mohamadi erzielte drei Tore.

Soll heißen: Die sportliche Integration hat bestens funktioniert, auch wenn es spielerische Unterschiede zwischen den Flüchtlingen und den Straelener Spielern gebe, wie Tecklenburg findet. „Aber einige sind schon echt gut und können vielleicht bald im Seniorenbereich eingesetzt werden.“ Auch zwischenmenschlich passt es, wie die Straelener Spieler bestätigen. Nach den Spielen werden die Siege in der Kabine ausgiebig gefeiert. Das liegt auch daran, dass die meisten Neuankömmlinge schon ein ganz gutes Deutsch sprechen. Viele besuchen eine Schule und lernen nicht nur, wie man in Deutschland Fußball spielt, sondern auch, wie man sich auf und neben dem Platz verständigen kann. Allerdings ging der erfolgreichen Integration auch ein langwieriger Prozess voraus. Denn so einfach konnten die Flüchtlinge nicht mitspielen. Um die Spielberechtigung für alle zu bekommen, waren einige Wochen Zeit und eine Menge Bürokratie nötig.

Herbert Lampey, in Straelen eigentlich für alles und jedermann zuständig, hat feinsäuberlich alle Unterlagen in Aktenordnern gesammelt. „Um die Jungs auch für den Meisterschaftsbetrieb spielberechtigt zu bekommen, war eine Heidenarbeit nötig“, sagt er. So musste der Verein zuvor eine Einverständniserklärung der jeweiligen Eltern einholen. Lag diese nicht vor, musste eine Bestallungsurkunde ausgestellt werden. Auf dem Dokument ist vermerkt, dass eine andere Person als rechtliche Vertretung des jeweiligen minderjährigen Spielers eingesetzt ist. Alle Unterlagen mussten dann zum Landesverband geschickt werden, der sich wiederum bei den jeweiligen Landesverbänden der Flüchtlinge erkundigte, ob diese bereits eine Spielberechtigung in ihrem Heimatland haben.

Somit sollen doppelte Spielberechtigungen verhindert werden. Viel Aufwand, der aber nötig und auch nachvollziehbar ist. Tecklenburg sagt: „Das Ganze könnte man aber auch etwas einfacher gestalten. Allerdings kann ich auch nachvollziehen, dass der DFB Sorgen hat wegen Pfuschereien.“ Die Flüchtlinge indes freuen sich, dass seit Januar alle rechtlichen Fragen geklärt sind. „Ich fühle mich sehr wohl und komme gut mit meinen Teamkollegen klar“, sagt der Marokkaner Youssef Bourkis. Weiteren Siegen steht also nichts mehr im Weg.

Quelle: RP