Zuflucht gesucht und angekommen

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Die Geschichte von Ahmad Jafari beginnt vor 27 Jahren im Iran. Aus politischen Gründen verlässt er sein Heimatland. Beim SV Straelen findet der Fußballer eine neue sportliche Heimat.

Der Aufstieg des SV Straelen in die Regionalliga ist eng verbunden mit der Personalie und der Geschichte eines 27 Jahre alten Spielers aus dem Iran: Ahmad Jafari.

Im vorletzten Saisonspiel schoss er seine Mannschaft mit zwei Toren gegen den SC West zurück an die Tabellenspitze, eine Woche später beim Straelener 8:0-Sieg gegen den VfR Fischeln veredelte er seine Leistung mit einer Serie von vier Toren innerhalb von neun Minuten. Anschließend feierte er bis spät in den Abend mit seinen Mannschaftskollegen den Aufstieg in die vierthöchste Liga in Deutschland.

„Ende 2017 stand Ahmad auf einmal mit dem Fahrrad vor dem Clubhaus“, erinnert sich SVS-Kapitän Marian Gbur, „er sprach kein Wort Deutsch, aber englisch und wollte bei uns Fußball spielen.“ Es folgten sechs Wochen, in denen er fast täglich bei jedem Wetter mit dem Fahrrad von Stenden nach Straelen zum Training kam.

Dramatischer als der Weg zum Training war sein Weg aus dem Iran nach Deutschland. Er musste schnell raus aus dem Land, sehr schnell sogar. Zeit, um ein Einreisevisum zu besorgen, blieb ihm nicht – politisch verfolgt. Iran sei eigentlich ein freies Land, aber diese Freiheit habe sich nicht mit seiner Vorstellung von Freiheit gedeckt. „Lass uns lieber über was anderes reden“, unterbricht Jafari – die Narben sind vermutlich noch zu frisch.

Im Flugzeug ging es zunächst bis Serbien. Vier Tage lief er zu Fuß bis nach München, bis er im November 2017 über verschiedene Camps als Flüchtling in Stenden untergebracht wurde. Erwartungen hatte er nicht: „Welche Erwartungen sollte ich gehabt haben? Ich alleine bin für mich, mein Leben und mein Schicksal verantwortlich“, analysiert er sachlich.

In Stenden angekommen wollte er so schnell wie möglich wieder Fußball spielen – denn das konnte er schließlich. Also griff er zum Handy und googelte nach „Fußballvereine in der Umgebung“: TSV Nieukerk – zu klein. FC Aldekerk – schon besser. SV Straelen – genau richtig. Da wollte er hin. „Didi“ Schacht, seinerzeit Trainer des Straelener Oberligisten, konnte er von seinem Können überzeugen. Seine Premiere in Grün-Gelb hatte er im Januar bei den Hallen-Kreismeisterschaften.

„Jafari wurde vor 27 Jahren in der Millionenstadt Isfahan geboren, besuchte die Hochschule und studierte Sport. Er spielte im Iran als Profi bei verschiedenen Vereinen in der zweiten Liga. Sein Vater war als Ingenieur im Flugzeugbau tätig, seine Mutter unterrichtet an einer Schule. Er hat eine ältere Schwester und einen jüngeren Bruder. Zur Familie hat er regelmäßigen Kontakt per Whats-App.

Zurzeit lebt er in Nieukerk in einer Einzimmer-Wohnung mit einer Gemeinschaftsküche. Er ist zufrieden und dankbar. „Warum soll ich klagen, mein Leben in Deutschland läuft gut“, sprudelt es im sehr guten, fast fließenden Deutsch aus ihm heraus, „mein Asylantrag wurde genehmigt. Jetzt muss ich ein neues Leben beginnen.“

Der Fokus des jungen Iraners liegt auf dem Fußball, aber darauf will er sich nicht beschränken. Er will Informatik zu studieren, das soll sein zweites Standbein werden. „Verbindungen habe ich schon aufgenommen. Ich möchte beides machen. Sport und Studium.“

Er ist von sich und seinen Fähigkeiten überzeugt, setzt großes Vertrauen in seine Stärken und verfügt über ein gesundes Selbstbewusstsein – Spinner, Träumer und Fantasten klingen anders. „Meine Sicherheit und Zuversicht hole ich mir bei Gott, er wohnt in mir, er begleitet mich“, sagt der gläubige Christ. Gott gebe ihm die Fähigkeiten, das zu erreichen, was er erreichen möchte.

Worte wie Ehrgeiz und Disziplin waren ihm nie fremd. „Ich bin so aufgewachsen und erzogen worden. Ich habe mir immer Ziele gesetzt und diese fast immer erreicht.“

Von seinen Trainern und Mitspielern wird Jafari als Mensch und Fußballer geschätzt und sehr identisch beschrieben: Körperlich robust, ein Teamplayer. Ehrgeizig, authentisch und zuverlässig, höflich – teilweise zu bescheiden . Soziale Kontakte konnte er noch nicht so richtig knüpfen. Er hofft, weiter beim SV Straelen Fußball spielen zu können: „Ich habe mich schon mit den Leuten im Verein unterhalten. Wenn es nicht klappt, muss ich mir leider einen anderen Verein suchen.“

Langeweile ist für ihn ein Fremdwort. Jeden Tag lernt er vier Stunden Deutsch im Eigenstudium, bevor er sich um andere Sache, wie Deutschkursus, Führerschein-Prüfung oder Gitarrenunterricht kümmert. Pop-Musik findet er gut. Regelmäßige Besuche im Willkommens-Café sind für ihn Pflicht.

„Den Iran vermisse ich nicht, aber meine Familie „, beendet Ahmad Jafari höflich lächelnd das Gespräch.

By | 2018-06-14T08:12:27+00:00 Juni 14th, 2018|Allgemein, Senioren, Verein|0 Comments

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