Hermann Tecklenburg taucht selten in Ergebnis-Tickern oder Transfermeldungen auf. Trotzdem steht sein Name für eine Figur, die den deutschen Fußball seit Jahrzehnten begleitet und geprägt hat.
Es geht um den lokalen Mäzen, den Unternehmer, den Vereinsfunktionär, der Geld, Zeit, Netzwerke und Entscheidungsmacht in einen Klub einbringt.
Bei Tecklenburg lässt sich dieser Typus besonders klar nachzeichnen, vor allem am Beispiel des SV Straelen, ergänzt durch seine langjährige Arbeit in Vereinsgremien von Fortuna Düsseldorf.
Sein Wirken eignet sich deshalb als Fallstudie für Chancen, aber auch für Risiken, die entstehen, wenn ambitionierter Amateurfußball stark an einzelne Geldgeber gebunden ist.
Wer ist Hermann Tecklenburg aus fußballerischer Perspektive?
In den Quellen wird Hermann Tecklenburg in erster Linie als Bauunternehmer beschrieben, der über Jahrzehnte hinweg Verantwortung im Vereinsfußball übernommen hat.
Die Firmengeschichte der Tecklenburg GmbH verweist auf eine lange Unternehmenslinie bis ins Jahr 1878 und mehrere Generationenwechsel. Auch Hermann Tecklenburg übernahm in diesem Kontext unternehmerische Verantwortung.
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- Beim SV Straelen als langjähriger Präsident und Hauptsponsor, über Jahrzehnte prägende Figur des sportlichen Aufbaus.
- Bei Fortuna Düsseldorf als ehrenamtliches Vorstandsmitglied über mehr als sechs Jahre, mit offiziellem Dank des Vereins für seinen Beitrag zur positiven Entwicklung.
- In der öffentlichen Wahrnehmung rund um den Frauenfußball , auch über die Ehe mit Martina Voss-Tecklenburg und die gemeinsame Unternehmensführung.
Diese Mischung erklärt, warum sein Name immer wieder auftaucht, wenn über die Schnittstelle zwischen Geld, Engagement und Vereinsstrukturen im deutschen Fußball gesprochen wird.
SV Straelen als Kern seines Einflusses
Beim SV Straelen wird Hermann Tecklenburgs Einfluss besonders deutlich. Hier treffen langfristiges Engagement, sportlicher Ehrgeiz und strukturelle Abhängigkeiten direkt aufeinander.
Langfristiges Sponsoring als sportlicher Motor
Der SV Straelen ist der Verein, bei dem Tecklenburgs Einfluss am direktesten sichtbar wurde. Laut Vereinsdarstellung engagierte er sich dort seit Jahrzehnten als Sponsor und übernahm 2004 offiziell das Präsidentenamt.
In einem Amateurumfeld, in dem Budgets oft knapp, Strukturen fragil und sportliche Ambitionen begrenzt sind, bedeutet eine solche Konstanz sehr konkrete Dinge.
- eine ambitioniertere sportliche Zielsetzung
- die Verpflichtung erfahrener Spieler
- mehr Spielraum bei Trainerentscheidungen
- Investitionen in Infrastruktur und Organisation
Ein Detail zeigt, wie eng Führung und Sport miteinander verzahnt waren. Tecklenburg saß laut Vereinsdarstellung zeitweise selbst auf der Trainerbank, um einen drohenden Abstieg zu verhindern.
Solche Doppelfunktionen sind im Amateurbereich nicht unüblich. Sie machen aber deutlich, wie stark ein Klub auf einzelne Personen zugeschnitten sein kann.
Der Weg in höhere Ligen und seine Grenzen
Mit dem sportlichen Erfolg wuchs auch der Anspruch. Der Verein wagte den Schritt in Ligen, die sich bereits am Rand des Profifußballs bewegen. In der späteren Aufarbeitung bezeichnete der Verein diesen Abschnitt selbst als „Abenteuer Regionalliga“.
Noch deutlicher wurde die interne Diagnose: Der Klub sei für diesen Ausflug in den Grenzbereich des Profifußballs „gänzlich ungeeignet“ gewesen.
Das ist keine neutrale Beschreibung, sondern ein klares Eingeständnis struktureller Überforderung. Sportliche Ambition war schneller als Governance, Rücklagen und organisatorische Stabilität.
Abhängigkeit als Sollbruchstelle
Als die finanzielle Grundlage wegfiel, wurde sichtbar, wie stark der Verein an einzelne Geldquellen gebunden war.
Die Neue Ruhr Zeitung beschreibt, dass nach der Insolvenz der Firma des Mäzens nicht nur die Oberliga-Mannschaft zurückgezogen wurde, sondern der Verein selbst Insolvenz anmelden musste. In der Vereinsmitteilung, die die Zeitung zitiert, wird der Wegfall von Sponsoring-Einnahmen als zentrale Ursache benannt.
- Die laufenden Kosten wurden innerhalb von rund 3 Wochen um etwa 80% reduziert.
- Der SV Straelen wurde gleichzeitig als Breitensportverein mit rund 2.200 Mitgliedern beschrieben, deren Basisbetrieb geschützt werden sollte.
Genau hier liegt der Kern von Tecklenburgs Einfluss. Er schuf über Jahre sportliche Möglichkeiten. Dieselbe Konstruktion wurde später zur Schwachstelle, als Finanzierung und rechtliche Aufarbeitung zusammenbrachen.
Fortuna Düsseldorf als zweite Bühne
Bei Fortuna Düsseldorf verlagerte sich Hermann Tecklenburgs Rolle weg vom lokalen Mäzenatentum hin zur Arbeit in Vereinsgremien. Hier wirkte er weniger sichtbar, aber strukturell bedeutsam.
Gremienarbeit statt Mäzenatentum
Bei Fortuna Düsseldorf spielte Hermann Tecklenburg eine andere Rolle. Hier ging es weniger um direkte Finanzierung, sondern um Vereinsführung.
Fortuna Düsseldorf teilte 2011 offiziell mit, dass Tecklenburg dem Vorstand künftig nicht mehr angehören werde. Gleichzeitig verband der Klub diese Mitteilung mit deutlichem Lob.
In mehr als sechs Jahren ehrenamtlichen Engagements habe er maßgeblich zur positiven Entwicklung des Vereins beigetragen und sich außerordentlich verdient gemacht. Solche Vereinsmitteilungen sind naturgemäß wohlwollend formuliert.
Trotzdem belegen sie, dass Tecklenburg im Umfeld des Profifußballs Verantwortung trug und nicht nur als lokaler Förderer agierte.
Bedeutung solcher Rollen im deutschen Fußball
Gerade im Übergangsbereich zwischen Profi- und ambitioniertem Amateurfußball sind ehrenamtliche Vorstandsmitglieder mit unternehmerischem Hintergrund wichtig. Sie bringen Erfahrung aus Wirtschaft, Organisation und Netzwerken ein.
Tecklenburgs Zeit bei Fortuna Düsseldorf steht exemplarisch für diesen Typus von Funktionär, der hinter den Kulissen wirkt, statt im Rampenlicht zu stehen.
Öffentlichkeit, Frauenfußball und Netzwerke

Dieser Themenbereich zeigt, wie persönliche Beziehungen, öffentliche Sichtbarkeit und berufliche Netzwerke im deutschen Fußball ineinandergreifen und Wirkung entfalten.
Wahrnehmung über persönliche Verbindungen
Überregionale Aufmerksamkeit erhielt Tecklenburg auch durch seine Ehe mit Martina Voss-Tecklenburg. Medien ordnen ihn als Unternehmer ein, der sich beim SV Straelen engagiert habe und bei Fortuna Düsseldorf Vorstandsarbeit leistete.
Gleichzeitig wird die gemeinsame Lebens- und Arbeitsrealität beschrieben, inklusive gemeinsamer Unternehmensführung und Wohnort Straelen.
Für den deutschen Fußball ist das relevant, weil Personen an Schnittstellen zwischen Vereinsfußball, Wirtschaft und einer medial präsenten Nationalmannschaft automatisch Reichweite erzeugen.
Das bedeutet keine direkte sportpolitische Macht, erklärt aber, warum ein Amateurpräsident plötzlich bundesweit Thema wird, sobald juristische Vorwürfe öffentlich werden.
Vorwürfe und Verfahren
In diesem Abschnitt geht es um den Moment, in dem sportliches Engagement, finanzielle Konstruktionen und rechtliche Fragen aufeinandertrafen und der Fall Hermann Tecklenburg eine neue Dimension bekam.

Was konkret im Raum steht
Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete 2025, das Landgericht Kleve habe die Anklage gegen Tecklenburg und weitere Beschuldigte zugelassen.
Im Kern geht es um Schattenverträge, mutmaßliche Schwarzlohnzahlungen sowie nicht abgeführte Beiträge zur Sozialversicherung und Berufsgenossenschaft. Die Staatsanwaltschaft beziffert den entstandenen Schaden auf rund 860.000 Euro.
Der Vereinsbericht zur Rettung des SV Straelen nennt denselben Vorwurf des Vorenthaltens von Arbeitsentgelt in 513 Fällen. Auch dort wird die Summe von 862.000 Euro genannt, die den Sozialkassen entgangen sein sollen.
Die Neue Ruhr Zeitung verknüpft diese Vorwürfe direkt mit der Vereinskrise und beschreibt die Sorge, dass der Verein haftbar gemacht werden könnte.
Systemischer Druck im Amateurfußball
Um solche Fälle einzuordnen, hilft der Blick auf die Regel- und Systemebene. Der Deutsche Fußball-Bund hat ein ausführliches FAQ zu Zahlungen im Amateurfußball veröffentlicht.
- Vereine dürfen grundsätzlich selbst entscheiden, ob und in welchem Umfang sie Zahlungen leisten, müssen aber gesetzliche und verbandliche Regeln einhalten.
- Sozialversicherungsfreie Aufwandsentschädigungen bis 350 Euro pro Monat werden akzeptiert, darüber hinaus wird es je nach Konstruktion rechtlich heikel.
- Bei Vertragsspielerinnen und Vertragsspielern gelten klare Mindestvergütungen sowie Pflichten zu Steuern, Sozialabgaben und Unfallversicherung.
- Angesichts von mehr als 24.000 Vereinen mit Fußballangebot bundesweit ist eine umfassende Kontrolle nicht möglich.
Zusätzlich beschloss der DFB 2023, die Mindestvergütung für Vertragsspielerinnen und Vertragsspieler von 250 auf 350 Euro anzuheben. Als Begründung wurde unter anderem die Inflation genannt.
Der Verbraucherpreisindex sei im Zeitraum von 2010 bis 2023 um 32,58% gestiegen. Der DFB verweist darauf, dass mindestens 50% der Vertragsspielerinnen und Vertragsspieler zuvor in der Bandbreite von 250 bis 350 Euro gelegen hätten.
Tecklenburgs Fall steht damit nicht nur für mögliches individuelles Fehlverhalten, sofern sich die Vorwürfe bestätigen. Er verweist auch auf einen strukturellen Druckpunkt.
Ambitionierte Amateurklubs bewegen sich oft in einer Grauzone zwischen Aufwandsentschädigung, Minijob, Vertragsspieler-Regime und inoffiziellen Nebenabreden.
Wie groß ist Tecklenburgs Einfluss tatsächlich?

Tecklenburgs Einfluss lässt sich in zwei Hauptdimensionen einordnen.
Lokale sportliche Entwicklung
Beim SV Straelen wird er über Jahrzehnte als prägende Figur beschrieben. Präsidentschaft, Sponsoring und teils direktes sportliches Eingreifen formten den Verein nachhaltig. Ohne dieses Engagement wären sportliche Höhenflüge kaum möglich gewesen.
Gremienarbeit im Profifußballumfeld
Als ehrenamtliches Vorstandsmitglied bei Fortuna Düsseldorf war er Teil der operativen Führung eines Traditionsklubs. Der offizielle Dank des Vereins unterstreicht, dass sein Beitrag intern als wertvoll eingeschätzt wurde.
- Vereinsinsolvenz
- Rückzug einer leistungsstarken Mannschaft
- massive Kostensenkungen
- juristische Verfahren
- ein Reputationsschaden, der weit über die Region hinausreicht
Überblick in Tabellenform
| Einflussfeld | Mechanik | Konkreter Bezug | Typische Folge |
| Sponsoring und Budget | Dauerhafte Finanzierung über einen Hauptgeldgeber | Straelen mit jahrzehntelangem Sponsoring und Präsidentschaft seit 2004 | Schneller sportlicher Aufstieg bei hoher Abhängigkeit |
| Vereinsführung | Entscheidungen in Vorstand und Präsidium | Mehr als 6 Jahre ehrenamtliches Vorstandsmandat bei Fortuna | Professionalisierung, Netzwerkbildung |
| Zahlungs- und Compliance-Risiken | Unsaubere Abrechnung, Schattenverträge | Anklage zugelassen, Schaden rund 860.000 Euro, 513 Fälle | Ermittlungen, Insolvenzgefahr, Debatten um Wettbewerbsverzerrung |
| Breitensport-Basis | Schutz des Hauptvereins trotz Krise | Kostensenkung um etwa 80%, rund 2.200 Mitglieder | Spannungsfeld zwischen Spitzenfußball und Vereinszweck |
Praktische Lehren für andere Vereine

Aus der Geschichte rund um Hermann Tecklenburg lassen sich konkrete Schlüsse ziehen, die über den Einzelfall hinausgehen.
Einnahmen breiter aufstellen
Ein Hauptsponsor kann Wachstum ermöglichen. Fällt er weg, kann er den Verein jedoch mit in die Tiefe ziehen. Straelen liefert dafür ein sehr anschauliches Beispiel.
Zahlungen sauber organisieren
Vertrag, Lohnabrechnung, Steuer, Sozialabgaben und Unfallversicherung müssen zusammenpassen. Der DFB macht klar, dass Verstöße nicht intern geregelt werden, sondern von staatlichen Stellen verfolgt werden.
Aufstieg realistisch planen
Der eigene Vereinsbericht beschreibt den Sprung Richtung Regionalliga als strukturell überfordernd. Das ist eine deutliche Warnung vor sportlichen Projekten ohne belastbare Governance und Rücklagen.
Eigene Kontrollmechanismen etablieren
Da umfassende externe Kontrollen nicht möglich sind, brauchen Vereine interne Standards. Verantwortung lässt sich nicht an Verbände auslagern.
Einfluss mit zwei Seiten
Hermann Tecklenburg steht für einen real existierenden Typus im deutschen Fußball. Der lokale Unternehmer zieht einen Verein sportlich nach oben und arbeitet gleichzeitig in den Gremien eines Profiklubs mit. Für viele Klubs bedeutet ein solches Engagement Fortschritt statt Stillstand.
Gleichzeitig zeigt der Fall, wie schnell dieses Modell kippen kann. Wenn sportlicher Ehrgeiz, finanzielle Konstruktionen und rechtliche Pflichten nicht sauber zusammenspielen, entstehen Kettenreaktionen. In Straelen führten sie laut Quellen zu Unternehmensinsolvenz, Sponsoring-Ausfall, Mannschaftsrückzug, Vereinsinsolvenz und juristischer Aufarbeitung.
Tecklenburgs Einfluss auf den deutschen Fußball ist damit real, greifbar und widersprüchlich. Genau deshalb lohnt sich der genaue Blick.
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