Hermann Tecklenburg im Interview

/, Nachwuchs, Senioren, Verein/Hermann Tecklenburg im Interview

Hermann Tecklenburg sitzt an einem  großen Besprechungstisch in seinem Büro. Es befindet sich unterm Dach und ist geprägt von Schrägen. Sechs Sessel sind um den Tisch verteilt.

Wie an der massiven, gemaserten Tischplatte zu erkennen ist, handelt es sich hier um ein Einrichtungsstück von Qualität.

Der Auftritt von Bauunternehmer Tecklenburg bei der Begrüßung ist stets der selbe: fester Händedruck, deutliche, bestimmende Sprache und ein tiefer Blick in die Augen. Sein Alter zu schätzen ist schwer. Denn so wie jetzt sieht er schon immer aus. Eine sportliche Figur gehört ebenso zu ihm wie die Glatze. Neu ist ein Dreitagebart. Im April wurde der Straelener 70 Jahre alt.

Wer sich mit ihm unterhält, merkt schnell, dass er kein ausgewiesener Diplomat ist. Schwarz oder weiß, Grauzonen gibt es bei ihm nicht. Wenn er etwas ablehnt, sagt er „Nein“, und anschließend vielleicht noch einen Nebensatz warum. Tecklenburg führt ein erfolgreiches Unternehmen. Doch daneben ist es der Fußball, der ihn über den Niederrhein hinaus bekannt gemacht hat.

Geholfen hat ihm dabei auch seine Art. Er ist das, was man volksnah nennt. Nicht jeder kommt gut mit ihm aus, aber jeder hat die Chance dazu. Der 70-Jährige findet sich in seiner Umgebung leicht zurecht. Wie in den VIP-Lounges der Fußball-Bundesligen. Dort, wo häufig ein minimal-informiertes Publikum auf Kunststücke wartet. Ebenso unterhält er sich ausgiebig mit den Männern, die sonntags übers Stankett gebeugt das Spiel eines Kreisligisten verfolgen.

Im Amateurbereich kennt er sich aus. Seit seiner Kindheit ist er Mitglied beim SV Straelen und hat alle Nachwuchsmannschaften durchlaufen. Bei seinem Heimatverein gibt es kaum eine Entscheidung, die er noch nicht getroffen hat. Keinen Job, den er noch nicht inne hatte. Geblieben ist über Jahrzehnte hinweg der des Sponsors. Ohne ihn würde der Klub einiges spielen, nur nicht Fußball in der Oberliga und wohl bald Regionalliga. Was Tecklenburg von anderen Finanziers unterscheidet, ist die Zeitspanne, in der er den Verein unterstützt. Seit knapp 40 Jahren steckt er sein Geld in den SVS.

Die Liste von chronisch erfolglosen Dorfclubs ist lang, die sich plötzlich in Ligen wiederfanden, wo sie nicht hingehören. Ein Unternehmer findet Gefallen daran, den örtlichen Verein zu unterstützen. Ein Klub, der ebenso schnell wieder in die Bedeutungslosigkeit verschwindet, wie er emporschnellte. Nach dem Aufstieg ist vor dem ab Abstieg. Der Geldgeber hat ein neues Hobby entdeckt. Das Finanzgebaren des Bauunternehmers aber war immer ein seriöses. So hat er die Mannschaft immer nur mit dem Geld verstärkt, was er auch besaß.

Wer sich ab den 70er Jahren für den Amateurfußball am Niederrhein interessierte, kam und kommt an Tecklenburg nicht vorbei. Er war immer da und will es auch bleiben. Der Fußball nimmt im beginnenden Herbst seines Lebens einen bestimmenden Teil ein.

Verheiratet ist er mit Martina Voss-Tecklenburg. Sie ist die nächste Bundestrainerin der DFB-Frauen. Zusammen haben sie als Trainer-Duo den SV Straelen vor einem Abstieg aus der Oberliga gerettet. Durch die Ehe nimmt die Sportart in seinem Privatleben einen noch größeren Raum ein. Tecklenburg arbeitet nicht daran, diesen zu verkleinern. Aufhören, sein Geld in eine gute Straelener Mannschaft zu investieren, daran denkt er nicht. „Tecki“ macht weiter, so lange er Lust hat und sich fit fühlt. Sein Alter ist ihm ohnehin nicht anzusehen.

Was die aktuelle sportliche Situation beim Oberligisten SV Straelen betrifft, so hat diese sich am vergangenen Wochenende gravierend geändert. Nach dem mühevollen 2:0-Sieg des SVS beim SC Düsseldorf-West und dem gleichzeitigen 2:2 der SpVg. Schonnebeck ist der Verein dort angekommen, wo er hin will. Tabellenführer mit einem Punkt Vorsprung. Ein Sieg am Wochenende gegen den Absteiger VfR Fischeln und der Durchmarsch von der Landesliga in die Regionalliga ist perfekt. Redakteur Peter Janssen sprach mit Hermann Tecklenburg über die mögliche Meisterschaft und den Amateurfußball. So, wie er einmal war.

Vor einem Monat verlor der SVS mit einer ebenso klaren wie erschreckend schwachen Vorstellung beim VfB Homberg 0:3 und war Tabellenzweiter. Dennoch haben Sie weiter fleißig Bekannte zur Aufstiegsfeier eingeladen. Warum?

Sonntag muss gegen Absteiger Fischeln noch gewonnen werden. Haben Sie Sorgen, dass da etwas schief läuft?

Tecklenburg Diese einmalige Chance darf unsere Mannschaft nicht liegen lassen. Wenn sie aber glaubt, mit 80 Prozent Einsatz gegen Fischeln gewinnen zu können, werden wir möglicherweise eine unangenehme Überraschung erleben.

Der SVS wäre damit in der Regionalliga, Deutschlands vierthöchster Klasse, angekommen. Ist das nicht eine Nummer zu groß für Straelen?

Tecklenburg Jein, der Aufstieg war nicht geplant. Erst seit Januar ist mir klar, dass wir aufsteigen können. Es ist reizvoll, so große Namen wie Alemannia Aachen, Rot-Weiss Essen, Wattenscheid 09, Wuppertaler SV oder die Nachwuchsteams der Bundesligisten hier zu sehen.

Wegen des fehlenden Fluchtlichts müssen einige Spiele in Kleve ausgetragen werden.

Tecklenburg Das sind höchstens zwei oder drei Partien. Wir haben eine Vereinbarung mit dem 1. FC getroffen. Außerdem ist Kleve, was Fußball betrifft, eine gute Adresse. Da kommen immer viele Zuschauer, wenn es gute Spiele zu sehen gibt.

Ist die Regionalliga Endstation für den SVS?

Tecklenburg Ja. In der Regionalliga ist Schluss. Mehr geht nicht. Die Dritte Liga ist für uns keine Option.

Wann sind Sie beim SV Straelen als Sponsor eingestiegen?

Tecklenburg Das ist jetzt 36 Jahre her. Ich war Sponsor und gleichzeitig noch in der ersten Mannschaft aktiv. Wir spielten damals in der Landesliga.

Was wurde zu der Zeit für einen Spieler in der Klasse gezahlt?

Tecklenburg Zwischen 100 und maximal 500 Mark. Wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche Verdienst eines Maurers etwa bei 1000 Mark lag, war das viel Geld. Mehr gibt es in Relation heute auch nicht.

Wie sieht die finanzielle Situation aus? Wie hoch war der Etat in diesem Jahr, um wie viel muss er beim Aufstieg angehoben werden?

Tecklenburg Wenn eine Mannschaft aufsteigt, muss sie auch das Potenzial haben, eine Liga höher zu bestehen. Die Stammspieler werden wir halten. Leider verlassen die jungen Spieler, die in Straelen groß geworden sind, den Verein. Das ist sehr schade, aber nachvollziehbar. Ich sage das, was alle Aufsteiger erklären und nicht dumm ist: Wir werden uns punktuell verstärken. Der Etat in diesem Jahr lag bei 170.000 Euro, er wird um etwa 20 Prozent angehoben. Es gab Zeiten, in denen der Kader das Doppelte kostete. Etwa als wir in den 90er Jahren die Spieler des insolventen Vereins Preußen Krefeld übernommen haben.

Ihnen gehörte zu der Zeit 50 Prozent der Gelderner Diskothek E-dry. War das ein Grund dafür, dass solche Summen gestemmt werden konnten?

Tecklenburg Durch die Disko war ich immer flüssig. Von meinem dort eingenommen Geld, ist einiges in den SV Straelen geflossen. Außerdem war die E-dry ein ausgezeichneter Ort, um Verträge mit Spielern abzuschließen.

Wer ist für die Verpflichtung der Neuzugänge verantwortlich?

Tecklenburg Unser Trainer Marcus John, der sportliche Leiter Stephan Houben und ich besprechen das im Team. Das letzte Wort habe ich.

Finden Sie es nicht albern, dass selbst Landesliga-Spieler bei Gesprächen mit einem Berater auftauchen?

Tecklenburg Ohne Frage, das ist absurd. Doch selbst in der B-Jugend-Bundesliga haben die Jungs Berater. Früher kam der Vater mit. Es geht darum, ihren Spieler so gut wie es geht zu vermarkten.

Ist allein das Budget dafür verantwortlich, in welcher Klasse ein Verein spielt?

Tecklenburg Jein, erst ab einem gewissen Grad. In der 2. oder 3. Bundesliga gibt es Vereine mit völlig unterschiedlichen Möglichkeiten. Holstein Kiel etwa ist ein positives Beispiel, was mit überschaubaren finanziellen Mitteln machbar ist. Rot-Weiss Essen etwa hat sicherlich bessere Voraussetzungen, in einer höheren Klasse zu spielen. Doch da ist eben „schlecht“ gearbeitet worden.

Wie bewerten Sie die Kritik an den als Plastik-Klubs bezeichneten Vereinen wie Hoffenheim oder RB Leipzig?

Tecklenburg In Hoffenheim ist exzellent gearbeitet worden. In Leipzig kommen durchschnittlich 40.000 Zuschauer. Das heißt auch, dass der Verein die Bevölkerung erreicht.

Täuscht der Eindruck oder können auch Amateurspieler immer weniger mit Kritik umgehen?

Tecklenburg Das ist so. War früher das Wort des Trainers Gesetz, wird heute jeder Hauch von Kritik kaum mehr angenommen. Die Arbeit des Trainers wird schnell in Frage gestellt. Hier ist es wichtig, dass er die entsprechende Qualität besitzt, das zu steuern. Doch ist das ursächlich ein gesellschaftliches Problem. Wenn Kindern nie Grenzen aufgezeigt werden, oder sie ein Nein zu hören bekommen, wie sollen die dann später mit Kritik umgehen können? Es ist eben immer einfacher „Ja“ zu sagen.

Was sind für Sie die gravierendsten Veränderungen im Amateurfußball?

Tecklenburg Die Qualität hat sich enorm verbessert. Er ist viel schneller geworden und technisch anspruchsvoller. Das liegt an der besseren Ausbildung. Wir haben zahlreiche Spieler im Kader, die zur Nachwuchsmannschaft eines Bundesligisten gehörten. Wenn ich hier Leute treffe, die nicht regelmäßig zum Sportplatz kommen oder nur Bundesliga gucken, sind die total überrascht, wie das Niveau gestiegen ist.

Besonders im Fußball fällt eine Diskussion über gestern und heute klar zum Nachteil des Heute aus. Denken Sie auch, dass es in früheren Jahren besser war?

Tecklenburg Es hat sich verändert. Die Verbundenheit mit einem Verein war früher größer. Da ist niemand aus einem Dorf ins andere gewechselt. Es wurde da gespielt, wo man groß geworden ist und seine Freunde hat. Aber ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu schaffen, liegt auch hier an den Fähigkeiten eines Trainers. Wir versuchen, eine Identifikation mit dem Verein herzustellen. So ist es bei uns Pflicht, nach den Heimspielen gemeinsam zu essen. Und es funktioniert.

Was halten Sie von der Zerstücklung der Bundesliga-Spielansetzungen?

Tecklenburg Für uns Amateure ein riesiges Problem. Deutlich wird das, wenn zu einer anderen Uhrzeit oder an einem anderen Tag gespielt wird als in der ersten Liga. Da haben wir sofort die doppelte Zuschauerzahl.

Wird der SVS am Sonntag die große Sause veranstalten?

Tecklenburg Wir werden feiern, aber nicht mit einem Trecker durch die Stadt fahren, die ohnehin gesperrt ist. Die Vereinsmitglieder haben an diesem historischen Tag freien Eintritt. Alle, die sich mit dem SV Straelen verbunden fühlen, sollen kommen. Dazu gehören natürlich auch jene, die ich schon seit Monaten einlade.

Herr Tecklenburg, vielen Dank für das Gespräch.

Quelle: RP

By |2018-05-31T09:02:10+00:00Mai 31st, 2018|Allgemein, Nachwuchs, Senioren, Verein|0 Comments

Kontakt:

SV 19 Straelen e.V.
Römerstraße 49
47638 Straelen

Tel.: +49 (0) 2834 703530
Fax: +49 (0) 2834 70 94 166
Mail: info(at)sv19straelen.de

Postanschrift:

SV 19 Straelen
Postfach 13 22
47630 Straelen